Im Sommer 1933 machte sich der damals 41jährige Werner Bergengruen mit dem Fahrrad auf, um eine

Deutsche Reise

zu unternehmen. Die während dieser Reise gesammelten Eindrücke und Erfahrungen schrieb er im darauf folgenden Winter nieder. 1934 wurden sie veröffentlicht.

70 Jahre später präsentiert der nymphenburger Verlag eine Neuauflage mit der Einschätzung:

"So wurde Bergengruen zum letzten Schriftsteller von Rang, der das Land der Dichter und Denker so beschrieben hat, wie es schon die großen Geister der Vergangenheit - Goethe, Schiller, Brentano und viele mehr - gesehen und geliebt haben."

Werner Bergengruen startet seine Radtour sozusagen vor seiner damaligen Haustür und begibt sich von Brandenburg über die heutigen Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz Hessen, Baden-Württemberg, Bayern Thüringen und Sachsen-Anhalt wieder nach Hause, nach Berlin, zurück.

Während dieser Reise lässt er mit der ihm eigenen Sprachgewandtheit den Leser an der Schönheit des jeweiligen Landstrichs, den er gerade bereist, ebenso teilhaben wie an seinen Gedanken zu Geschichtlichem und Kulturellem und breitet damit die beeindruckende Vielfalt, womit dieses mitteleuropäische Gebiet aufwarten kann, aus:

Landschaftliche Vielfalt wird beispielsweise mit dem Beschreiben von Gebirgen, Flusslandschaften, ländlichen Regionen und Ebenen, geschichtliche Vielfalt mit der Erinnerung an die Römer, die Staufer, die Preußen und vieles mehr, kulturelle Vielfalt unter anderem mit dem Aufzeigen von Schätzen der Architektur, dem Einbinden von Literarischem und dem Eingehen auf Speis' und Trank gegenwärtig.

88 Schwarz-Weiß-Fotografien lockern die Reisebeschreibung optisch auf.

Den Schwarzwald hat Werner Bergengruen auch bereist und zu den dortigen Fremdenverkehrsorten und zu Freudenstadt Folgendes niedergeschrieben:

"Es besteht bei den Kur- und Fremdenorten ein Unterschied zwischen solchen, die nichts sind als eben dies, und solchen, die daneben noch ein altes Eigenleben führen, unabhängig und abgesehen von den Fremden. Die erste Gattung erinnert bei allen Annehmlichkeiten immer ein wenig an die Dörfer des Grigori Alexandrowitsch Potemkin: Freudenstadt gehört zur zweiten."

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Baden-Baden, das ein Vierteljahrhundert nach der "Deutschen Reise" sein letzter Wohnort werden sollte, widmet er die Worte:

"Die schwervergleichliche Anmut Baden-Badens wird nicht nur bedingt durch die natürliche Beschaffenheit des Ortes und durch die Huld klimatischer Verhältnisse, sondern ebenso stark durch den Umstand, dass die Mondänität des Weltbades hier in einer alten und noblen Tradition steht. Baden-Baden hat, und das ist in Orten seiner Gattung wider die Regel, nichts Protziges, nichts Parvenühaftes."

Werner Bergengruen, der 1945 dankbar bemerkte, dass er die noch lebendige Kontinuität der deutschen Geschichte anschauen durfte, "bevor die Kluft aufgerissen wurde, die in alle Zukunft niemand mehr wird ausfüllen oder überspringen können", konnte nicht ahnen, dass eines Tages die räumliche Kluft zwischen den West- und den Ostländern Deutschlands wieder geschlossen sein würde.

Letzteres bietet - auch deutschen Nachwuchsschriftstellern - den Anreiz, eine weitere deutsche Reise anzutreten und auszuloten, wo und wie sieben ins Land gegangene Jahrzehnte landschaftlich, geschichtlich und kulturell ihre Spuren hinterlassen haben.

Das Buch ist im
Nymphenburger Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Deutsche Reise - Werner Bergengruen

Deutsche Reise
von Werner Bergengruen
Gebundene Ausgabe
244 Seiten
Nymphenburger Verlag

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