Des elend schöne Lebe

bietet Harald Hurst in Geschichten und Gedichten in Mundart zum Miterleben an. Die Gedichte mit ihrem hintergründigen Witz und ihrer zum Teil vordergründigen Derbheit lassen bereits die Mundwinkel nach oben schnellen, ob es sich dabei um drei Episoden um den "Herrn Sohn" handelt, der unter anderem nach einer Reggae-Nacht am Baggersee zur Frühstückszeit nach Haus kommt, oder um einen Auftritt des schreibenden Komödianten mit seinem Partner
Gunzi Heil, der in der Erkenntnis gipfelt: "Mir hätte kai Paus mache solle!".

Pausen will man sich bei der Lektüre nicht gönnen, vor allem nicht bei den beiden vortrefflichen Geschichten über das "Fernweh un vom Bleibe" und über das "Bad in schwäbischen Wörtern", das er in einem Lokal an der "Fusionsgrenze" zwischen Baden und Württemberg nimmt.

Erstere ist eine wunderbare Persiflage auf die Reiselust der Deutschen, der vor Jahrzehnten noch mit Campingausrüstung versehen in Europa gefrönt wurde, und die mittlerweile in die Frühbucher- und Last-Minute-All-Inclusive-Reisen gemündet ist. Mitreißend formuliert lässt Harald Hurst lebendig werden, was viele Deutsche bereits erlebt haben dürften. Fabelhaft sind seine "Zwischengedanken":

"Ich hab immer geglaubt, Leut, die viel in der Welt rumkomme, müsse sich zwangsläufig verändere. Die Begegnung mit fremde Kulture kann mer doch net grad so wegstecke. Reisen bildet. Aber ich kann mer net helfe. Die Leut komme nur deutscher zurück."

Höchst ergötzlich ist das Ende dieser Beschäftigung mit der Reisekultur am Großalbstetter Marktfescht, an welchem sich die ach so Reisebegierigen Argumenten zu Goethe, zur Bildungsqualität von Reisen und zu den "globalisierten Trinkgeld-Lächlern" ausgesetzt sehen.

Nicht weniger ergötzlich ist die kürzer geratene zweite Geschichte ums Zuhören in einem badischen Traditionslokal, in welchem etliche Schwaben ravioligroße Maultäschle mit Flusskrebsfüllung auf Bärlauchschaum ebenso verzehren können wie saure Kuttle mit Bratkartoffeln. Hier kommt die Auseinandersetzung mit der Esskultur in Verbindung mit der Reisekultur der Deutschen zwerchfellerschütternd zur Wirkung.

Harald Hurst lässt einen seiner Protagonisten in der "saumäßig langen Kompakt-G'schicht vom Fernweh un von Bleibe" resümieren: "Wenn mer rechtzeitig de Rückblick hätt, würd viel net passiere."

Wie gut, dass der angesprochene Rückblick nicht rechtzeitig eingesetzt hat und dass so viel passiert ist, dass den Hurst-Fans und Mundart-Liebhabern genussvolle Lese- und Vorlesestunden möglich werden.

Das Buch ist im
G. Braun Buchverlag Karlsruhe erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Harald Hurst - Des elend schöne Lebe

Des elend schöne Lebe
Geschichten und Gedichte von Harald Hurst
152 Seiten, Festeinband,
G. Braun Buchverlag 

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