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Claus von Stauffenberg
Zeuge im Feuer
Wohl selten wird die Lektüre eines Buches mit
der Literaturauswahl am Buchende begonnen. Im
vorliegenden Fall ist derlei jedoch recht
aufschlussreich. Die Erscheinungsdaten der
aufgeführten Bücher, die sich mit dem
deutschen Widerstand während der Nazi-Zeit
befassen, fallen mehrheitlich auf Jahreszahlen, die
mit einer 4 enden, wobei deren Hauptanteil im Jahr
1994 publiziert wurde - 50 Jahre nach dem Attentat
auf Hitler am 20. Juli 1944.
Es scheint, als bedürfe es herausragender
Erinnerungsjahre um sich mit diesem
widerständigen Akt deutscher Geschichte
eingehend zu beschäftigen, dessen letztendlich
treibende Kraft der in Stuttgart aufgewachsene
Claus Schenk Graf von Stauffenberg war.
Zum hundertsten Jahrestag von Stauffenbergs Geburt
hat sich Peter Steinbach, der gemeinsam mit
Reinhold Weber, Referatsleiter der
baden-württembergischen Landeszentrale
für politische Bildung, die Buchreihe
"Prägende Köpfe aus dem Südwesten"
herausgibt, mit Stauffenbergs Biografie unter dem
Gesichtspunkt "Zeuge im Feuer" auseinandergesetzt.
Dieser von Reinhold Schneider formulierte Begriff steht für
Menschen, die Teil des Herrschaftsapparates und
dennoch widerständig gewesen sind.
Der Autor, Historiker und wissenschaftlicher Leiter
der Berliner Gedenkstätte Deutscher
Widerstand, erarbeitet die für Stauffenbergs
persönliche und berufliche Entwicklung
wesentlichen Einflussfaktoren über Elternhaus,
Kindheit, Jugend, Ersten Weltkrieg, Abschaffung der
Monarchie, Weimarer Republik und Zugehörigkeit
zum Denkerkreis des Dichters Stefan George.
Stauffenbergs Entschluss, Offizier zu werden, und
das Erklimmen der Karriereleiter noch bevor das
NS-Regime sich etabliert hatte, werden ebenso
verfolgt wie seine allmähliche innere
Ablehnung des Unrechtsregimes bis hin zu
Stauffenbergs maßgeblicher Funktion in den
Widerstandsgruppen des Militärs und der
wahrlich generalstabsmäßig geplanten
"Operation Walküre", die der unerträglich
menschenverachtenden Diktatur ein Ende setzen
sollte.
Diejenigen, welche den 20. Juli 1944 "nur" mit dem
missglückten Attentat auf Hitler in Verbindung
bringen, erfahren, welche strategische und
politisch voraus denkende Leistung ziviler und
militärischer Widerstandskämpfer die
"Operation Walküre" erst möglich gemacht
haben, deren Scheitern auch nach dem fehl
geschlagenen Attentat für einige turbulente
Stunden keineswegs auf der Hand lag.
Peter Steinbach endet seine Ausführungen, der
eine Zeittafel und die bereits angeführte
Literauswahl folgen, mit dem Konjunktiv:
"Wäre Stauffenberg das Attentat gelungen und
hätte der anschließende Umsturzversuch
zum Erfolg geführt, dann hätten mehr als
zwanzig Millionen Menschen, die zwischen dem 20.
Juli 1944 und Kriegsende noch sterben mussten, den
Krieg überlebt."
Trotz oder gerade wegen dieses tragischen Endes hat
es das Buch durchaus verdient, nicht erst wieder in
den Jahren 2014 oder 2017 gelesen zu werden.
Das Buch ist im DRW-Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Claus von Stauffenberg
Zeuge im Feuer
Peter Steinbach
128 Seiten, 12 Abbildungen, broschiert,
DRW-Verlag
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