Die Carl Schurz Story

In Rastatt, Spandau und manch anderen deutschen Städten gibt es Straßen, die nach Carl Schurz benannt sind. Ebenso tragen etliche Häuser, in welchen sich Institutionen die Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen zur Aufgabe gemacht haben, den Namen Carl Schurz.

Wer mit diesem Namen nichts anfangen kann oder wem die Erklärungen auf Gedenktafeln zu dürftig erscheinen, dem sei die Lektüre der Carl Schurz Story empfohlen. Diese von Marianne und Otto Draeger verfasste Story ist keine Biografie im herkömmlichen Sinn, sondern sie erzählt souverän und spannend verfasst von prägenden Lebensstationen des aus dem rheinländischen Liblar stammenden deutschen Revolutionärs, der vom 19. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zum Innenminister berufen wurde.

Flüssig und leicht verständlich werden in der ersten Hälfte der Story die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa geschildert, die vielerorts Demokratisierungsbewegungen entstehen ließen, denen sich eine Vielzahl wacher, konstruktiv-kritischer Geister anschloss. Auch Carl Schurz zählte zu ihnen, der sich im
Revolutionsjahr 1849 zwanzigjährig als Adjutant des Oberbefehlshabers der Pfälzischen Volkswehr in Rastatt wieder fand, von wo aus ihm eine bemerkenswerte Flucht aus der von den Preußen eingenommenen Festungsstadt gelang.

Europaweit bekannt wurde Carl Schulz durch die spektakuläre Befreiung seines Professors und Freundes Gottfried Kinkel aus dem Zuchthaus Spandau, was ihm, dem in Abwesenheit von einem preußischen Militärgericht zum Tode verurteilten Revolutionär, zwar Sympathien und Unterstützung vieler Zeitgenossen einbrachte, aber dennoch ein Weiterleben in seinem Heimatland unmöglich machte.

Den Revolutionstagen im Juli 1849 gilt die besondere Aufmerksamkeit des Autorenpaares, die das engstirnige und unbarmherzige Vorgehen der Armee unter ihrem Oberbefehlshaber, dem Prinzen Wilhelm von Preußen, und das erbärmliche Geschehen in den Rastatter Kasematten gewärtig werden lassen.

Den größten Teil seines Lebens verbrachte der zum politischen Flüchtling gewordene überzeugte Verfechter der Forderung von Freiheit für alle und Gleichheit der Rechte in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo er als Journalist, General in den Sezessionskriegen, Senator von Missouri und Innenminister unter Präsident Rutherford B. Hayes Karriere machte. Im Laufe der Jahrzehnte erreichte er in seiner neuen Heimat einen unglaublichen Bekanntheitsgrad, der allerdings nicht implizierte, dass alle ihn liebten. Einige hassten ihn sogar. Die Gründe hierfür sind vielfältig und werden in der zweiten Buchhälfte ebenso aufgearbeitet wie Carl Schurz' Familienleben in anrührenden Passagen nahe gebracht wird.

Eingang gefunden in die Story haben nicht nur Zitate aus den Erinnerungen Carl Schurz', sondern auch eine Anzahl historischer Bilder und Fotografien. Eine Kurzbiografie, ein Literaturverzeichnis und ein Verzeichnis, das knapp Erklärendes zu Personen und ausgewählten Stichwörtern anbietet, kompletteren dieses ausgesprochen lesenswerte Geschichtsbuch.


Das Buch ist im
Verlag für Berlin-Brandenburg erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Die Carl Schurz Story

Die Carl Schurz Story
Vom deutschen Revolutionär zum amerikanischen Patrioten
Marianne Daeger, Otto Draeger
299 Seiten, 46 Schwarz-Weiß-Abbildungen, Festeinband, Verlag für Berlin-Brandenburg

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