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Der G. Braun Buchverlag bietet in
seiner Reihe "Regionalgeschichte - fundiert und
kompakt" den vierten Band an. 950 Jahre nachdem
Kaiser Heinrich III. den Bruchsaler Königshof
und die dazu gehörigen Ländereien Bischof
Konrad I. von Speyer geschenkt hat, wird die
Kleine Geschichte der Stadt
Bruchsal
präsentiert.
Um es vorweg zu nehmen, es macht Spaß, den
Ausführungen des Autors Thomas Adam, seines
Zeichens Leiter des Städtischen Museums und
der Kulturabteilung Bruchsals, zu folgen. Zum
einen, weil auf Anhieb hervorragende Sachkunde zu
erkennen ist. Zum anderen, weil ein klarer,
verständlicher Schreibstil gepflegt wird, der
Zusammenhänge und Konsequenzen - auch für
Geschichtsunerfahrene - aufnehmbar werden
lässt. Es gelingt ihm auf diese Weise bestens,
die Entwicklung und Bedeutung Bruchsals im Laufe
der Jahrhunderte wiederzugeben.
Von Bedeutung war die Region bereits zu
Römerzeiten, weil sich dort wichtige
Süd-Nord- und West-Ost-Verbindungen kreuzten,
ist zu erfahren. Im 10. Jahrhundert sorgte eben
diese Eigenschaft als Kreuzungspunkt für die
Entwicklung eines zentralen Ortes und für die
Entstehung eines Königshofs, der von Kaiser
Heinrich III. aus dem Adelsgeschlecht der Salier
den linksrheinisch residierenden
Fürstbischöfen von Speyer für treue
Dienste vermacht wurde.
Fortan standen die Bruchsaler unter dem politischen
und geistlichen Einfluss der
Fürstbischöfe, wobei es ihnen trotz
gelegentlichen Widerstands nicht gelang, in die
Fußstapfen der Speyerer Bevölkerung zu
treten. Diese hatte es doch tatsächlich
geschafft, die Fürstbischöfen ihres
politischen Einflusses verlustig gehen zu lassen,
weswegen diese zum Residieren und Verwalten
umzogen.
Residenz und Verwaltungssitz wurde Bruchsal
allerdings erst im Jahr 1720, Verwaltet wurde der
Besitz der Speyerer Bischöfe jedoch
Jahrhunderte lang von Bruchsal aus, was der Stadt
eine markante Position bescherte, welche sie des
öfteren zum Schauplatz heftiger kriegerischer
Auseinandersetzungen werden ließ.
Dem "Holländischen Krieg" verdankte Bruchsal
letztendlich den Aufstieg zum Bischofssitz, den Bau
eines prächtigen Barockschlosses mit
eingeschlossen. Dieses ging, wie die Stadt und die
weiteren rechtsrheinischen Besitzungen des
Hochstifts Speyer in Folge der Säkularisation
im Jahr 1802 in den Besitz der badischen Markgrafen
über, was den Status der Stadt merklich
reduzierte.
Wissenswertes über die Zeit der badischen
Regentschaft, des Ersten Weltkriegs, der Weimarer
Republik, der Naziherrschaft und des Zweiten
Weltkriegs mit seinen verheerenden Folgen für
die Stadt wird des Weiteren kompetent aufbereitet,
bevor Bemerkenswertes zum Wiederaufbau und ein
Ausblick zum Schluss führen.
Bemerkt Thomas Adam in seinem ersten Kapitel
"Geltung und Selbstverständnis einer Stadt",
es sei Sache des Lesers zu entscheiden, ob er dem
Anspruch, die Suche einer Stadt nach ihrer Rolle,
sowohl politisch, als auch gesellschaftlich und
wirtschaftlich, zu verdeutlichen, gerecht geworden
sei, so kann versichert werden: voll und ganz,
zumindest für Nicht-Bruchsaler.
Gerade dies macht das Buch so lesenswert für
alle, die Freude an Geschichte haben, und zwar
nicht nur an Regionalgeschichte.
Als Nachsatz sei den Bruchsalern selbst ein kleines
Trostpflaster zuteil. Wenn ihnen nach der
Säkularisation und der Einverleibung durch
Baden schon "der Rang abgelaufen worden ist", so
wurde ihnen 180 Jahre später eine Art
Satisfaktion zuteil. Damals, im Herbst 1982, zog
das Museum für Mechanische Musikinstrumente
infolge ausgesprochen kurzsichtiger Stadtpolitik
der Baden-Badener ins Bruchsaler Schloss, was dazu
beitrug, dass sich Bruchsal mit seinem Deutschen
Musikautomaten-Museum der weltweit
größten Spezialsammlung dieser Art
rühmen kann und sich eines regen
Besucherinteresses erfreuen darf.
Das Buch ist im G. Braun Buchverlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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