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Dear Pierre - Cher John
Pierre Boulez und John Cage - Der
Briefwechsel
Was wäre unsere Kultur ohne die
Gedankenwechsel der Galionsfiguren der Avantgarde,
die hinreichend Auseinandersetzungspotenzial nicht
nur für die Protagonisten, sondern für
alle kunst- und kulturinteressierte Menschen
bieten?
Zwei besonders engagierte Künstler pflegten in
den 1950er Jahren einen bilingualen Briefwechsel,
der 1997 in wesentlichen Teilen in deutscher
Sprache veröffentlicht wurde. John Cage (1912-
1992), amerikanischer Pianist und Komponist, und
Pierre
Boulez waren 1949 in Paris zusammen
getroffen und waren in ihrer festen
Überzeugung, es müsse in der Komposition
fundamentalen, tief greifenden Neuerungen
nachgegangen werden, durchaus einig. Ihr eigenes
Annähern an diese Neuerungen war jedoch sehr
unterschiedlich, wie sich im Laufe des über
einige Jahre hinweg recht regen Briefwechsels immer
mehr heraus kristallisierte. Den Kulminationspunkt
erreichte die Auseinandersetzung der beiden
Ausnahmekünstler im Jahr 1954, als Pierre
Boulez unmissverständlich formulierte, er
akzeptiere den Zufall eines komponierten Werkes,
wie von John Cage umgesetzt, weder gegenwärtig
noch künftig.
Eingebettet ist der Briefwechsel in ein
erläuterndes Vorwort, in Anmerkungen zu den
jeweiligen Briefen und in eine Abhandlung des
Musikwissenschaftlers Jean-Jacques Nattiez zu
"Boulez und Cage - ein Kapitel der
Musikgeschichte", welche den weniger Kundigen die
Zusammenhänge verdeutlichen helfen.
Auch wer nicht unbedingt Interesse an Musiktheorie
und Kompositionslehre verspürt, kann durch den
Briefwechsel viel Informatives aus dem jeweiligen
Leben der beiden Briefeschreiber erfahren,
beispielsweise das Bemühen John Cages um ein
Stipendium in den USA für Pierre Boulez. Oder
aber, dass Pierre Boulez John Cage gegenüber
trotz aller Divergenzen freundschaftlich verbunden
geblieben ist, was auch aus dem letzten
veröffentlichten Brief zu John Cages 50.
Geburtstag im Jahr 1962 ersichtlich wird. Dieser
Brief lässt unter anderem auch noch wissen,
dass der damals 37jährige Pierre Boulez
mutmaßte, seine Tage in irgendeiner
Klosterzelle zu beschließen, da seine
Anstrengungen, sein Tun und Denken zu vertiefen,
ein hohes Maß an Abkapselung erforderten.
Umso erfreuter kann die Musikwelt sein, dass auch
Pierre Boulez keine Einwände gegen die
Publikation des Briefwechsels erhoben hat, womit
ein spannender Einblick in eine entscheidende Phase
zweier Künstlerleben gewährt wird.
Das Buch ist bei der Europäischen
Verlagsanstalt erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Dear Pierre - Cher John
Pierre Boulez und John Cage
Der Briefwechsel
Jean-Jacques Nattiez (Herausgeber)
257 Seiten, Festeinband, Europäische
Verlagsanstalt

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