Blutrache

Im
Europa-Park Rust wird mitten in der Saison im Hochsommer eine Frau ermordet. Die Freiburger Kriminalpolizei ermittelt.

Wer allerdings meint, deren Arbeit in üblicher Krimi-Manier begleiten zu können, irrt. Denn Maren Mainhardt ist mit von der Partie und bedenkt die Leser nicht nur mit Details aus ihrem Single-Dasein, sondern auch mit Randnotizen aus Vergangenem, denen allerdings nur jene folgen können, die Eva Klinglers Krimi
Erbsünde gelesen haben.

Die freischaffende Ahnenforscherin aus der Karlsruher Südstadt weist schon ein bemerkenswertes Talent auf, sich in polizeiliche Ermittlungsarbeit eingebunden zu sehen und mit den falschen Männern das Bett zu teilen.

Einer der beiden Bettfavoriten im aktuellen Fall ist der ermittelnde Freiburger Kommissar, dem ziemlich zu Beginn der sich ziehenden Handlung der Satz entschlüpft: "Mord macht süchtig." Einmal interpretierbar, dass ein Mord nicht reiche, weswegen ein zweiter Mord in Freiburg und ein dritter wieder im Europa-Park verübt wird. Zum anderen deutbar als Sucht nach Aufklärung.

Letzteres muss allerdings noch lange nicht bedeuten, laienhaft, eigenmächtig, teilweise anmaßend und auch Gefahren provozierend privat dem Geschehen auf den Grund kommen zu wollen. Maren Mainhardt schert dies wenig. Sie bedient sich sogar der Tochter einer Freundin, um "getarnt" als harmlose Park-Besucherin mit Kind ihre dilettantischen Fragen zu stellen, weswegen das Mädchen nach seiner Rückkehr der ahnungslosen Mutter zu berichten weiß: "Sie hat sich dauernd mit fremden Männern über tote Frauen unterhalten!" Was hätte Maren Mainhardt von dem von ihr mit Tendenzen zur "schlauen Giftspritze" erkannten "Gör" auch anderes erwarten können.

Die gewagte Konstruktion um ein 1904 in Brand geratenes Ausflugsschiff vor New York, um den "American Dream", um zwei Morde aus Blutrache und einen, um einen lästigen Mitwisser und Erpresser loszuwerden, gipfelt, wie könnte es anders sein, in der erneuten Gefahr für Leib und Leben der Ahnenforscherin.

"Mord macht süchtig." Nun denn, verführerisch sich auszumalen, Maren Mainhardt würde tatsächlich ihr eigenwilliges "Ermittlerhandwerk" gelegt. Die Frage, ob dem so ist, kann nur durch die Lektüre geklärt werden. Für manche mag das Auf und Ab im Alltags- und Gefühlsleben der Protagonistin ja wirklich von Interesse und Unterhaltungswert sein.

Ob von den Mitarbeitern des renommierten Baden-Badener Luxushotels
Brenner's Parkhotel & Spa ihr fleischliches Nachmittagsvergnügen mit einem Hotelgast auf dessen Zimmer als gelungene Werbung gewertet werden könnte, soll nicht weiter erörtert werden.

Das Buch ist im
G. Braun Buchverlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Blutrache

Blutrache
Eva Klingler
272 Seiten, broschiert,
G. Braun Buchverlag

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