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Barbarenstimmen
Ungewollt und ahnungslos mit
"Kohabitations-Fleischbeschau", phonetisch eher
abstoßend "garniert", konfrontiert, kommt
beim Betätigen des Ausschaltknopfes des
heimischen Fernsehgeräts sicherlich nicht der
Gedanke auf, der geheimnisvollen Spannung zwischen
Mann und Frau auf der Spur zu sein, sondern
derjenige der Barbarei in Form einer
bedingungslosen Huldigung der "Heiligen Kuh"
Einschaltquote durch Szenen, denen durchaus die
Adjektive roh, unkultiviert, und was noch alles mit
dem aus dem Griechischen stammenden Begriff
barbarisch in Verbindung zu bringen ist, zugeordnet
werden können.
"Barbarenstimmen" nennt Peter Müller seinen
Gedichtband, in welchem er eben jene geheimnisvolle
Spannung zwischen Mann und Frau in
nachfühlbaren Worten einfängt,
körperliche Liebe eingeschlossen, von
Rainer Braxmaier in ästhetische Bilder
umgesetzt. Dieser vermeintliche Widerspruch
zwischen kultiviert umgesetztem Empfinden und dem
gewählten Titel ist schnell in Einklang zu
bringen. Liebesgeschichten kennt die Menschheit
seit Urzeiten, gewissermaßen seit
Barbarenzeiten, und lässt die (Nach-)Welt an
deren unerklärlichem Beginn, der meist kurzen
Phase höchster seelischer und
körperlicher Erfüllung und deren in nicht
wenigen Fällen tragischem Ende mit Worten,
Bildern und Tönen teilhaben.
Die Faszination dieses "Unerklärlichen" ist
trotz der unermesslichen Anzahl dieser Geschichten
ungebrochen, was dadurch erklärbar sein mag,
dass dieses Urgefühl tagtäglich
Abermillionen Menschen trifft und mit aller
Intensität, von den Betroffenen selten in
Worte fassbar, durchlebt und erlitten wird. Diese
"Sprachlosen" werden ihre "Liebesphasen" in diesem
im wahrsten Sinne des Wortes ansprechenden
Bild-Buch-Band wieder finden. Jenen, welche
jedweder rein kommerziell ausgerichteten,
voyeuristischen Bedienung so genannter niederer
Instinkte überdrüssig sind, ist er als
Alternativangebot unbedingt zu empfehlen.
Das Buch ist in Lindemanns Bibliothek im
Info Verlag erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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Barbarenstimmen
Gedichte und Bilder
Peter Müller und Rainer Braxmaier
48 Seiten, 14 Abbildungen, Festeinband,
Lindemanns Bibliothek, Band 54, Info
Verlag

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