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…und wir hörten auf,
Mensch zu sein:
Der Weg nach Auschwitz
Die Sammlung Wolfgang Haney
entstand aus der Sammelleidenschaft und dem
Wissensdurst des Urberliners. Nach dem Zweiten
Weltkrieg begann der Numismatiker mit dem Sammeln
von Münzen und Zahlungsmitteln aus
Konzentrationslagern und Ghettos und baute, vor
allem seit den 1990er Jahren eine einzigartige
Sammlung von Dokumenten und Gegenständen auf,
die Zeugnis ablegen über die Diffamierung und
millionenfache Vernichtung von Menschen durch die
Nationalsozialisten.
Das Bundesarchiv, dem die Sammlung Haney als
Schenkung übergeben werden soll, realisierte
eine Wanderausstellung, die im Jahr 2005 bis Mitte
April in der Erinnerungsstätte für die
Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte in
Rastatt zu sehen war.
Zu dieser Ausstellung ist ein Begleitband
erschienen, dessen Einband bereits in besonderer
Weise "anspricht". Das Auschwitz-Bild mit den
Gleisen auf der Vorderseite des Buches ist zwar
bekannt, gewöhnen kann sich ein denkender und
mitfühlender Mensch an dieses Bild allerdings
nicht. Der Knopf der Häftlingskleidung auf der
rückwärtigen Einbandseite gibt zum
zusätzlichen Nachdenken Anlass. "Deutsche
Mode" ist in den Rand des vierlöchrigen
Metallknopfes eingestanzt.
Die "Deutsche Mode", die in Polen in den Jahren
1939 bis 1945 umgesetzt wurde, wird im ersten
Drittel des Buches behandelt. Sachkundige Autoren
setzen sich dreisprachig, deutsch, polnisch und
englisch, mit Antisemitismus, Rassenideologie und
Vernichtungskrieg ebenso auseinander wie mit dem
Massenmord in deutschen Konzentrationslagern und
der Entstehungsgeschichte des größten
nationalsozialistischen Vernichtungslagers
Auschwitz.
Den Erinnerungen und den Formen der Aufarbeitung
und Bewältigung ist, wiederum dreisprachig,
der nächste Teil gewidmet, bevor die
Beweggründe Wolfgang Haneys und ein
Kurzporträt des Sammlers den dreisprachigen
Teil beschließen und zur Ausstellung selbst
und ihren Exponaten überleiten.
Das Wechselbad der Gefühle, welches die auf
mehr als 120 Seiten gezeigten Dokumente
hervorrufen, ist unbeschreibbar, da sie sich nicht
auf ein bestimmtes Gebiet konzentrieren, sondern
jedem Bereich Raum geben - den Plakatbefehlen der
mörderischen Unterdrücker und den
kleinen, persönlichen Lebenszeichen der
Geschundenen und Gequälten, wozu eben auch
Knöpfe, Rasierpinsel und Prämienscheine
gehörten. Unfassbar erscheint die Tatsache,
dass Auschwitz selbst auf Postkarten abgebildet
war, sei es das Portal, seien es die
Hinrichtungswand oder der Plan des Stammlagers.
Der erläuternden Begleitworte zu den Exponaten
bedarf es eigentlich nur am Rande, sind doch die
Dokumente an sich erschütternd genug. Zu
finden ist unter ihnen auch eine Bronzemedaille,
die zum 40. Jahrestag der Befreiung entstanden ist.
Die polnisch verfasste Prägung lautet auf
Deutsch: Nie wieder.
Dass dieses "Nie wieder" in Zukunft Dauervorsatz
der menschlichen Gesellschaft wird und bleibt,
erfährt durch diesen Begleitband nachhaltige
Unterstützung.
Das Buch ist im Verlag Ferdinand
Schöningh erschienen.
Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden
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… und wir hörten auf, Mensch zu
sein:
Der Weg nach Auschwitz
Mit über 170, meist
unveröffentlichten Bilddokumenten aus
der Sammlung Wolfgang Haney
Im Auftrag des Bundesarchivs herausgegeben
von Manfred Mayer in Verbindung mit dem
Förderverein für die
Freiheitsbewegungen in der deutschen
Geschichte, Rastatt, dem
Militärgeschichtlichen Forschungsamt
Potsdam und "Gegen Vergessen - Für
Demokratie, e.V."
Mit einem Geleitwort von Roman Herzog
268 Seiten, über 170 farbige
Abbildungen, kartoniert, Verlag Ferdinand
Schöningh

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