Alexander von Gleichen-Rußwurm,
der letzte Urenkel Friedrich Schillers, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Baden-Baden und profitierte von der französischen Ehrenbürgerwürde seines Urgroßvaters. Warum Friedrich Schiller diese erhielt, kann in einer neuen, modernen Schiller-Biografie nachgelesen werden.

Er kennt "seinen Schiller" und er kennt "seinen Goethe"!

Johannes Lehmann lässt in seiner "respektlosen Annäherung"

Unser armer Schiller

auf der neunten Seite diesen Eindruck aufkommen und hält ihn das ganze Buch über souverän aufrecht. Die Zeit, in welcher die beiden lebten, ist dem respektlosen Annäherer ebenfalls bestens bekannt. Es bereitet ihm deshalb keine Mühe, sein Gegenüber - in diesem Fall den Leser - in ein (un-) zeitgemäßes Leben mitzunehmen.
Unser armer Schiller, unser Schiller, unser Weltbürger, unser Dichter, unser Held und unser Poet wird mit seinen drei Charlotten, seinem "innigen Dichterfreund", seinen wahren Freunden, Christian Gottfried Körner, Ludwig Ferdinand Huber sowie deren Angebeteten, und seinen drei Beisetzungen auf mitreißende Art in die Gegenwart geholt.

Die Verwendung der Fürwörter "unser" und "wir" lässt das Gefühl aufkommen, mit Johannes Lehmann in einem Raum zu sein und gespannt seinen mit einer gehörigen Portion Humor gewürzten Erzählungen zu lauschen, ab und an durch Formulierungen wie "Wo steckt der Fehler?" zum Hinterdenken animiert. So bleibt es nicht aus, dass zuweilen Hans Christian Andersens Märchen von des "Kaisers neuen Kleidern" als Gedankenstreiflicht auftaucht, wenn beispielsweise dem Treiben an herrschaftlichen Höfen Aufmerksamkeit gewidmet wird. Auch könnte einerseits der Erzähler am Weimarer Hof und andrerseits der leidenschaftliche Schreiber gegen Unfreiheit und Tyrannei in der heutigen Zeit mit ihrem einseitig zur globalen Aufgabe hoch stilisierten Auftrag, gegen die so genannte "Achse des Bösen" zu kämpfen, gewähnt werden.

"Zum guten Schluss" kann es der Leser mit Johannes Lehmann halten, der erkennt: "Ich habe viel dazugelernt,…".

Erkennbar ist zudem, dass dem deutschen Dichterfürsten Goethe der Respekt eines Johannes Lehmann keineswegs sicher ist. Unter anderem zu erfahren, als er sich mit der Ernennung Schillers zum Hofrat durch Herzog Carl August von Sachsen-Weimar beschäftigt:

"Es ließe sich leicht spotten, aber ohne Geld und ohne Rückhalt kann man sich eben manche Weltanschauungen nicht so konsequent leisten, wie man sie vertritt. Zum Glück hat die Knausrigkeit des Weimarer Herzogs in der Folge nie dazu geführt, dass Schiller seine politische Überzeugung so an einen Fürsten verkaufen musste wie es der Geheimrat Goethe wohl gemusst hätte, wenn er denn eine gehabt hätte."

Da der Kenntnisstand des Durchschnittslesers kaum an den des Autors heranreichen dürfte, mag "unser armer Schiller" eine kurzweilige Lernhilfe auf Dauer werden.


Über den Autor:

Dr. Johannes Lehmann, geboren 1929 in Madras (Indien) als Sohn eines Missionars, studierte in Halle, Westberlin und Edinburgh Publizistik, Philosophie, Theologie und Psychologie. Er war Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, wo er unter anderem jahrzehntelang die Sendung "Die Bücherbar" verantwortete. Daneben hat sich Lehmann als Autor erfolgreicher Sachbücher einen Namen gemacht ("
Barbarossa & Co.","Caracalla & Kohorten", "Jesus-Report", "Die Jesus-GmbH", "Moses", "Buddha", "Die Hethiter", "Die Staufer" und viele andere).

Das Buch ist im Silberburg-Verlag erschienen

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden


Unser armer Schiller

Unser armer Schiller
von Johannes Lehmann
Gebundene Ausgabe
335 Seiten
Silberburg-Verlag

Gleich bestellen

Zurück zur Übersicht



Inhalt | News | Geschichte | Stadtplan | Sehenswert
 
Kunst + Kultur | Theater | Festspielhaus | Casino | Events | Thermen | Sport
Hotels | Restaurants | Cafés + Bars | Shopping
Stadtteile | Umgebung | Elsass
Adressen | Forum | Gästebuch | Shop | Awards | Links