Die Apfelrose

ziert an Stelle eines Zifferblattes das Titelbild, welches die Form und Bemalung einer typischen
Lackschilduhr aus dem Schwarzwald wiedergibt.

Nun bietet bereits eine Fülle an Büchern über den Schwarzwald Wissenswertes über "die Wälder", wie die Bewohner der dicht bewaldeten aber ansonsten kargen Region genannt werden, sowie über deren Lebensumstände und Broterwerb in den letzten Jahrhunderten.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Herstellung der typischen Schwarzwalduhren zu einem blühenden Erwerbszweig. Was könnte also näher liegen, als in einem Roman rund um die Uhrenfertigung dem Leben im malerischen, geheimnisvollen und zugleich unwirtlichen Schwarzwald ein weiteres Mal Aufmerksamkeit zu widmen. Die Titelwahl deutet darauf hin, da die Apfelrose als eines der Hauptmotive der Uhrenschilder bevorzugt war.

Allerdings sind weder Uhrenfertigung noch Uhrenhandel im Mittelpunkt des Geschehens zu finden. Erzählt werden vornehmlich Vorkommnisse in drei Familien, die hauptsächlich von der Landwirtschaft leben, und dem Zisterzienserinnen-Kloster Friedenweiler, nahe Neustadt, während knapp zweier Jahre Ende des 18. Jahrhunderts. Ausgesucht ist also eine Zeit, die von der Französischen Revolution und ihren Folgen für ganz Mitteleuropa geprägt war.

Derlei Kenntnis wird ebenso vorausgesetzt wie die Kenntnis um die damalige Aufteilung des deutschen Südwestens in kleine und kleinste Herrschaftsbereiche, in diesem Fall in das recht zersplitterte Vorderösterreich und das Gebiet der Fürsten von Fürstenberg.

Französische Soldaten beschwören bei ihrem Durchzug gen Österreich ebensolche verheerenden Konsequenzen herauf wie die zur Verteidigung angerückten kaiserlichen Truppen: Leere Ställe, geplünderte Vorratskammern, zerstörte Häuser, verwüstete Klöster, geschändete Frauen, ermordete Männer, Hungersnöte, Krankheiten, Viehseuchen und all die Widernisse, welche das entbehrungsreiche Leben der Menschen zu jener Zeit verschlimmerten, und zwar nicht nur im Schwarzwald. Streng hierarchische Strukturen, Analphabetentum, Gottesfürchtigkeit, Frömmelei und Aberglauben sorgten auch ohne die Kriegsfolgen für so manche Katastrophe.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Formulierungen wie "der nicht richtig tickende Alte", "am Arsch der Welt", "fressen oder gefressen werden", "vorprogrammiert", "desorientiert" und weitere, die zuhauf zu finden sind, können die Vermutung nähren, die Autorin habe die Vorstellungskraft der Leser nicht überstrapazieren wollen und zum besseren Verständnis das Vokabular des 21. Jahrhunderts zum Einsatz kommen lassen. Beim Geschichtenerzählen in den Spinnstuben früherer Zeit hätte derartige Wortwahl wohl kaum Verständnis gefunden. Heutige Freunde von Geschichten, die "das Leben schrieb" und in welchen letztendlich "das Gute" siegt, werden sich daran indes kaum stören.

Das Buch ist im
Schillinger Verlag erschienen.

Rezension:
Rika Wettstein, Baden-Baden

Die Apfelrose

Die Apfelrose
Ein Schwarzwaldroman
Von Birgit Hermann
612 Seiten, broschiert, Schillinger Verlag

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