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Die Straßen im
Bäderviertel sind eng, die meisten
Häuser, die größtenteils im 19.
Jahrhundert gebaut, aufgestockt oder erweitert
wurden, sind hoch. Lediglich der Abschnitt der
Sophienstraße, der noch zum Bäderviertel
gerechnet wird und dessen Häuser, die an
Stelle der abgebrochenen Stadtmauer errichtet
wurden, vermitteln einen anderen Eindruck als die
Melange aus mittelalterlicher räumlicher Enge
und Anpassung an die Erfordernisse der jeweiligen
Zeit in der Gernsbacher Straße, der
Steinstraße, der Bäderstraße und
jenem Bereich, der Römerplatz genannt
wird.
Lassen Sie sich nicht abschrecken durch das Gewirr
von Passanten und Autos, dass Sie beispielsweise in
der Gernsbacherstraße zu Geschäftszeiten
empfängt, wenn Sie vom Sonnenplatz aus in die
relativ dunkle Häuserschlucht blicken. Es gibt
auch lichte, sonnenüberflutete Plätze im
Bäderviertel.
Erklimmen Sie die Sonnenstaffeln und beginnen Sie
Ihre Entdeckungstour auf dem Marktplatz!

Dort hatten die Römer ihre Kaiserbäder
großzügig angelegt. Deren Umrisse
können Sie linkerhand der Stiftskirche auf
schwarzem Kopfsteinpflaster abschreiten.
Wäre die Höllengasse unterhalb des Neuen
Schlosses noch vorhanden, würde Ihr Schritt
durch die Häuserzeile kleiner, ärmlich
anmutender Häuser und das Gasthaus "Zur Rose"
gebremst.
In der Höllengasse, benannt nach der
Höllenquelle, arbeitete im Mittelalter nicht
nur der markgräfliche Münzmeister. Es
waren auch Gasthäuser zu finden mit den
Fantasie anregenden Namen "Zur Stelze" und "Zur
Kante". Die Fangoküche für das
Friedrichsbad war zu Beginn des 20. Jahrhundert im
Haus der ehemaligen herrschaftlichen Münze
untergebracht. Von 1895 bis 1925 betrieb der
badische Frauenverein in einem der uralten
Häuser eine Wöchnerinnen- und
Entbindungsstation.
Das Gasthaus "Zur Rose" war nicht nur von
Ortsansässigen, den Händlern des
Wochenmarktes und deren Kunden besucht worden,
sondern war zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein fast
legendärer Ort, an welchem Johann Heinrich
Jung-Stilling kostenlos eine Vielzahl an
Star-Operationen durchführte.
In den 1960er Jahren mussten die Gebäude der
Höllengasse weichen, da die im Untergrund
fließenden Thermalwasser geschützt
werden sollten.
1980 war es auch vorbei mit dem seit Jahrhunderten
abgehaltenen Wochenmarkt an den Mittwochen und
Samstagen. Zwanzig Jahre später folgte das Aus
für einen der schönsten
Weihnachtsmärkte Deutschlands.
Die beschauliche Ruhe des Marktplatzes wird seither
nur noch am dreitägigen Stadtfest im August
eines jeden Jahres oder durch Konzerte der
Baden-Badener
Philharmonie unterbrochen.
Sie können also fast ganzjährig
weitestgehend ungestört den Blick schweifen
lassen, beispielsweise zum Neuen Schloss, dem Statussymbol vergangener
feudalherrlicher Zeiten, das mittlerweile zum
Spekulationsobjekt verkommen ist und in
Schönheit verfällt.
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Oder Sie bewegen sich hinter die
Stiftskirche und stellen sich vor, dass hier im
Mittelalter eine relativ dichte Bebauung zu
verzeichnen war. Baderherbergen und Gasthäuser
mit abwechslungsreichen Namen wie "Zum Roten
Löwen", "Zum Greiffvogel" und "Zum
Trompeter" boten den Gästen Speis, Trank und
Übernachtungsmöglichkeiten in mehr oder
weniger bescheidenem Umfang. Das "Fürstliche
Freybad" befand sich mitten drin und
ermöglichte den Mittellosen den
Thermalwassergenuss.
Der große Stadtbrand von 1689 hinterließ auf dem
Marktplatz ebenso seine verheerenden Spuren wie in
der ganzen Stadt.
Einen gewissen Aufschwung erlebte das Gebiet rund
um die Stiftskirche, als zu Beginn des 19.
Jahrhunderts vom badischen Baumeister Friedrich
Weinbrenner das erste, wenn auch bescheidene
Museum des Landes
Baden, ein kleines Dampfbad und eine
beeindruckende Trinkhalle errichtet wurden. Der
Aufschwung währte allerdings nicht lange, da
im Tal jenseits der Oos ein neues Kurviertel
gestaltet wurde. Das Museum und das kleine Dampfbad
wurden abgebrochen. Ein größeres
Dampfbad, das heutige so genannte Alte Dampfbad
wurde zwar an deren Stelle gebaut. Seine
ursprüngliche Funktion hat es allerdings schon
lange Zeit eingebüßt und seit etlichen
Jahren gegen die Funktion einer
Ausstellungsstätte eingetauscht. Die
rückwärtige Seite des Friedrichsbades hat
die Weinbrennersche Trinkhalle verdrängt.
Über die Dernfeldstaffeln können Sie
direkt zum Friedrichsbad gelangen, oder Sie heben
sich diese Entdeckung noch auf und schlendern auf
der südöstlichen Seite der Stiftskirche
in Richtung Hotel "Am Markt", von wo aus Sie die beeindruckende
Fassade des gegenüberliegenden Rathauses
betrachten können. Dessen Ursprung war ein
Jesuitenkolleg. Zu Weinbrenners Zeiten war es in
ein Conversationshaus mit Glücksspielzentrum
umgewandelt worden, bis die Herren Chabert und
Bénazet die große Zeit der allgemeinen
Vergnügungen im heutigen Kurhaus und Casino einläuteten.
Gekrönte Häupter aller Zeiten waren auf
dem Marktplatz ebenso zugange wie wohlhabende
Kaufleute, solide Handwerker, Marktfrauen und
Hausfrauen, denen eine lebhafte Kinderschar am
Schürzenzipfel hing. Priester, Mönche,
Nonnen, markgräfliche Bedienstete und viele
andere belebten den Platz, der heute, vornehmlich
aus Quellschutzgründen, fast entvölkert
wirkt. Umso größer ist Ihre Chance, sich
in aller Ruhe Szenen, die sich während der
verschiedenen Epochen auf dem Marktplatz abgespielt
haben könnten, vor Augen zu führen.
Mehr über das
Bäderviertel:
Sonnenplatz
Steinstraße,
Bäderstraße
und
Römerplatz
Gernsbacher
Straße
Sophienstraße
Geschäfte,
Hotels, Restaurants
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