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Baden-Baden
Geschichte

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Die Geschichte des Baden-Badener Weihnachtsmarktes oder Abgesang an eine lieb gewordene Tradition.

Es war einmal eine kleine Gemeinschaft von Geschäftsleuten, die wollte ihr Viertel anziehender für Einheimische und Gäste gestalten. Sie taten sich zusammen, schmiedeten Pläne und setzten diese zielstrebig und fleißig bei allen möglichen Gelegenheiten um, so auch in der Vorweihnachtszeit. Und siehe da: In zwei kleinen Straßen und auf einem Platz nahe bei den Thermalbädern strahlten Lichter an echten und kunststoffenen Nadelbäumen, wurde in kleinen Holzbuden oder an einfachen Ständen allerlei Nützliches und Schmückendes zum Kauf angeboten und der Duft gebrannter Mandeln lockte viele Menschen an. Attraktiv war der erste kleine Weihnachtsmarkt im Bäderviertel, etwas anderes und gern besucht.

Und so wurde die Idee weiter geführt und fand in den darauf folgenden Jahrzehnten an einem nicht so beengten Ort der Kurstadt ihre Verwirklichung. Auf dem Marktplatz, hoch über der Stadt zwischen Stiftskirche und Neuem Schloss, hüllte der würzige Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln viele Tausende von Besuchern ein und bescherte allen Beteiligten wirkliche Freude. Die Idee, gute Geschäfte zu machen, war sicherlich auch mit im Spiel, aber es ging auch um Miteinander, Besinnlichkeit und Freude. Einfallsreichtum war ebenfalls gefragt. So wurden aus diesem Grund alljährlich Preise für die schönsten Buden ausgelobt und beim gemeinsamen Abschlussfest der Händler verliehen.

Der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz gehörte mehr als ein Vierteljahrhundert zum Leben in der Stadt und zog Jahr für Jahr viele auswärtige Gäste an. Doch dann - oh weh - regte sich der Unmut bei den Einzelhändlern im Tal, die meinten, nicht genug vom Umsatzkuchen abzubekommen, immer mehr. Ein anderer Markt an anderer Stelle sollte her. Ausgedehnte Querelen, gar ein Konkurrenzmarkt im Tal waren die Folge. Und schließlich schmissen die Macher des Marktplatz-Weihnachtsmarktes den Bettel hin.

Der reine Kommerzgedanke griff auf dem Weihnachtsmarkt Platz, verunglückte allerdings beim ersten Versuch und zog im Jahr 2001 ins Tal.

Und so stellt er sich dar, der neue Weihnachtsmarkt: Imbissangebote zuhauf und ein bisschen Kunsthandwerk in neu gestalteten Buden, zwei Kinderkarussells und ein Bähnchen.

Statt auf einem Rundgang durch ein Budendorf an einem idealen Standort an exponierter Stelle zu schlendern, quetschen sich die Besucher nun durch eine zwischen Leopoldsplatz und Kurhaus gelegene Gasse.

Der Charme ist weg: Der Glühweinstand vor dem Alten Dampfbad, dessen Erlös karitativen Zwecken zukam, und das kleine nostalgische Kinderkarussell: passé; der Holzschnitzer, die Plüschtierbude, der Maroni-Mann: vorbei; der Hauch des liebevoll Unkonventionellen: dahin.

Der Ursprung des Baden-Badener Weihnachtsmarkts, nämlich die Idee, die Attraktivität des
Bäderviertels zu erhöhen, ist vollkommen in Vergessenheit geraten. Einer der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands wird bei vielen unvergessen bleiben.

Von Rika Wettstein, Baden-Baden



Ach wie war's doch ehedem für uns alle so bequem, könnten die Stadtstrategen im Hinblick auf den Weihnachtsmarkt befinden. Der seinerzeitige Erste Bürgermeister Zwosta hat bereits im Jahr 2002 festgestellt: "Das Ehepaar Glattfelder hat 29 Weihnachtsmärkte vorbildlich abgewickelt - und jetzt haben wir viele Schwierigkeiten."

Die Schwierigkeiten finden kein Ende. Am 5. März 2004 kam es sogar zu einer Gerichtsverhandlung, weil die Organisatoren des Weihnachtsmarktes 2002 den des Jahres 2003 nicht mehr ausrichten durften und deshalb Schadensersatz in Höhe von 20000 Euro forderten.

Während der Verhandlung lehnten die Vertreter der Stadt eine gütliche Einigung ab, weswegen am 16. April 2004 ein Urteil gefällt werden sollte.

Der 16. April 2004 brachte kein Urteil, da sich die Kontrahenten offenbar eine weitere "Schriftsatzschlacht" geliefert hatten mit dem Ergebnis, dass 14 Tage darauf das Gericht nochmals zu einer gütlichen Einigung riet. Die Stadt solle einen Schadensersatz von 5000 Euro akzeptieren und ein Viertel der Gerichtskosten tragen.

Für einen rechtsverbindlichen Beschluss scheinen die dem Gericht überlassenen Informationen nicht hinreichend zu sein. Zu prüfen sei im Bedarfsfall, was die Vertragspartner unter "Zufriedenheit" bzw. "Unzufriedenheit" verstünden, da eine Vertragsklausel besage, die Stadt setze die Zusammenarbeit mit den Organisatoren des Weihnachtsmarktes 2002 fort, wenn sie "zufrieden" sei.

Am 13. Juli 2004 berichtete die Lokalpresse über einen Vergleich zwischen der Stadtverwaltung und den ehemaligen Weihnachtsmarkt-Organisatoren - "nur deshalb, um die Geschichte vom Tisch zu haben" zitierte das Badische Tagblatt den Leiter des Amtes für Schulen, Kultur und Sport. 3500 Euro und 25 Prozent der gesamten Verfahrenskosten bleiben als Belastung für das Stadtsäckel.


Kabarettistisch

Der Präsident des Landgerichts sei gepriesen - für eine lehrreiche Verhandlung in Sachen Weihnachtsmarkt. Er hat treffsicher den Makel entdeckt - und so kam die Verhandlung für die Stadt der Not des Ertrinkenden in rauher See gleich. Es begann eigentlich schon damit: Präsident Jung fragte den Anwalt der Stadt, warum es eigentlich nicht möglich sei, den Schriftsatz rechtzeitig bei Gericht abzuliefern - letzteres führt zu einer Verzögerung. Schließlich bemüht sich Jung, eine gütliche Einigung zu zimmern - und die Stadtjuristen sind nicht nur bockig und kündigen die Berufung an, sondern offenbaren polit-kabarettistisches Talent: Äußerungen über die Güte des Marktes seien "nach draußen getragene Lobpreisungen". Ha, gut, dass wir das jetzt endlich mal amtlich haben! Nur: Im Falle des Budenzaubers waren die Lobpreisungen so falsch nicht.

Dann: Äußerungen der BBT-Chefin seien "juristisch völlig unerheblich". Ha, ja - juristisch schon. Nur: Darum geht es in diesem Fall doch schlicht nicht. Denn: Wer hat denn das Marktgeschehen mitbestimmt? Wer hat denn den Markt gelobt? Wer hat denn - nach dem Aus für die Agentur! - vor dem Gemeinderat gesagt: "Dieser tolle Markt trägt sich finanziell." Und deshalb solle der Gewinn reinvestiert werden ins Programm! Wer hat das gesagt? Die BBT-Chefin. Tja, und die Berichte kennt auch BT-Leser Jobst Jung. Deshalb hat der Präsident gestern im Hinblick auf die Argumentation der Stadt, man sei mit der Agentur unzufrieden gewesen, deutliche Worte gefunden. Verständlich. Ja: Warum eigentlich werden dermaßen schwammige Verträge geschlossen? Warum eigentlich wurde beim jüngsten Markt der von der BBT-Chefin angekündigte Gewinn nicht erwirtschaftet? Weil es unter anderem hohe Personalkosten gab. Die Organisatoren kauften sich nämlich die Dienste eines weiteren Organisators in Gestalt eines Gastronomen ein. Und warum hat die BBT-Chefin davon dem Gemeinderat nichts gesagt? Und warum hakt da niemand nach? Es wird Zeit, das weihnachtliche Kuddelmuddel zu entwirren und zu beenden.

Patrick Fritsch, Badisches Tagblatt 6.3.2004



Auch in der Bevölkerung wird das Geschehen um den Weihnachtsmarkt kritisch kommentiert. Am 17. März 2004 war im Badischen Tagblatt folgender Leserbrief abgedruckt:

Markt ohne Stadt und Staat

Frau OB Lang, wissen Sie denn wirklich, was das Volk will? Herr Ambrus vom Kulturamt, geht es Ihnen nicht lediglich um die Erhaltung Ihres Amtspostens, und Herr Beigeordneter und möglicherweise nächster Oberbürgermeister, Herr Rückert, wollen Sie nicht lediglich nächster "Oberboss" im Rathaus werden? Oder wollen Sie alle allen Ernstes behaupten, dass Sie sich (ausgenommen die verwaltungsmäßigen Aufgaben) nur einen Gedanken um die Bürger und das Gesellschaftssystem in dieser Stadt machen?

Leute, Leute, was tut ihr euch, uns, und was tut ihr dieser Stadt an? Unglaublich! Aber genau das ist leider beispielhaft für eine Gesellschaft, die vor allem durch das bestehende, längst überholungsbedürftige Parteiensystem geprägt und gleichzeitig durch die dummdreisten Sendungen privater TV-Sender beeinflusst ist. Was ist mit dem Weihnachtsmarkt, wo liegt das Problem?

Ich kann es Ihnen sagen: Ein nicht funktionsfähiger Wasserkopf der Stadtverwaltung Baden-Baden kümmert sich darum, und er ist es auch, der bei öffentlichen Kritiken sofort reagiert, und "selbstverständlich und grundsätzlich" erstmal jedwede Verantwortung von sich weist. Schuld sind immer die anderen.

Und weil auch heute noch die "Obrigkeit" immer Recht hat, obwohl diese Menschen und dieses System von uns allen bezahlt wird, denn wir sind der Staat, geht man mit diesen Herrschaften recht sanft um. Sollten wir nicht mal einen eigenen Weihnachtsmarkt veranstalten, so ganz ohne Stadt, Staat und Geklüngel? So ganz menschlich, und ohne dass wir deswegen gleich einen deutschen Verein gründen müssen? Ich wäre dabei!



Weihnachtsmarkt 2001
Weihnachtsmarkt 2002
Weihnachtsmarkt 2003



 


 

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