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Sonntag, 10. März 2002,
11.00 - 12.30 Uhr
Matinee im Theater Baden-Baden
Martin Walser
zum Geburtstag
Am 24. März wird Martin Walser 75 Jahre alt. SWR2
gestaltet zusammen mit 3sat und Nordwest Radio im
Baden-Badener Theater eine Live-Matinee, bei der der
Schriftsteller anwesend sein wird. Bei der Planung dieser
Veranstaltung wurde dem Wunsch des Jubilars entsprochen,
keine Feierstunde abzuhalten. So wird es ein Literaturspiel
mit Martin Walser und dem Publikum geben und Gespräche
mit Walsers Wunschgast, der Psychologin Brigitte Lämmle
und Martin Lüdke, der die Gesprächsleitung
übernimmt. Musikalisch umrahmt wird die Matinee vom
ORFEO Saxophone Quartett.
Kartenverkauf:
Vorverkauf Tel.: 07221/93 27 00 und Fax: 07221/93 27 05 und
vor Beginn der Veranstaltung an der Theaterkasse.
Preis: 10,- Euro
Das Theater-Foyer ist für die Besucher ab 10.15 Uhr
geöffnet.
Der Romanautor
Walser
Seine Personen heißen Beumann in »Ehen in
Philippsburg«, Zürn in »Seelenarbeit«,
Horn in »Jenseits der Liebe«, oder Kristlein in
der Trilogie »Halbzeit«, »Das Einhorn«
und »Der Sturz«. Nur einmal, in seinem
jüngstem Roman »Der Lebenslauf der Liebe«,
ist seine Hauptperson die Frau: Susi Gern. Martin Walsers
Romanfiguren sind Angehörige der Mittelschicht,
arbeiten entweder an ihrem sozialen Status oder ihrem
privaten Glück. Manche haben es resignierend bereits
aufgegeben. Sie alle sind Abhängige, und die
ständigen Versuche einer Individuation müssen an
der Fremdbestimmheit scheitern. Der Schriftsteller selbst
nennt sie »Unterlegenheitsspezialisten«.
Der Dramatiker
Walser
Während Walser in seinen Romanen keine vorwiegend
politische Handlung erzählen möchte, sieht er die
Bühne als den Ort, an dem er das Politische erwartet.
Der Autor, keiner von denen, die ihren Text abliefern und
erst zur Premiere wieder anreisen, ist am Entstehen der
Stücke auf der Bühne intensiv beteiligt, arbeitet
eng mit Regisseuren wie Fritz Kortner oder Peter Palitzsch
zusammen, schreibt Szenen um oder neu, manchmal noch nach
der Uraufführung. Doch auch mit
»Zimmerschlacht«, dem sicher erfolgreichsten und
bekanntesten seiner Stücke, oder mit »Eiche und
Angora« dem wohl meist diskutierten, kann er sich als
Dramatiker nicht etablieren. Seine Art der Mitteilung ist
die des Romanciers wie die des Essayisten.
Der Essayist
Walser
»Ich vertraue.
Querfeldein.« ist der Band seiner Reden und
Aufsätze betitelt, der 2000 beim Suhrkamp-Verlag
erschienen ist, dem Verlag, der bereits 1997 eine
zwölfbändige Gesamtausgabe Martin Walsers
herausgegeben hat. Worauf Walser sein Vertrauen
begründet, sein Vertrauen in die Menschen, beschreibt
er folgendermaßen: »Es wird überdeutlich,
dass meine ganze Vertrauensseligkeit von einer einzigen,
alles entscheidenden Voraussetzung lebt: dass andere nicht
anders sind als ich. Ich habe den Grund zu hoffen, dass
andere mir genauso viel verheimlichen wie ich ihnen. Das
wiederum würde zur Hoffnung berechtigen, dass wir uns
am meisten gleichen in dem, was wir voreinander
verheimlichen.«
Geprägt von
der Bodenseeregion
Schreiben bedeutet für
Walser die Auseinandersetzung mit sich selbst. Und dieses
Selbst ist geprägt von Landschaft und Menschen der
Bodenseeregion. Geboren in Wasserburg, wo die Eltern eine
Gastwirtschaft betreiben, ist er einfacher Leute Kind,
dessen Vater sich im Schreiben versucht. Als Schüler
wird er zum Flakhelfer-Einsatz abkommandiert, sein
Literaturstudium beendet er mit einer Dissertation über
Franz Kafka. Von 1949 bis 1957 ist er Mitarbeiter beim
Süddeutschen Rundfunk, zunächst in der
Unterhaltungsabteilung, dann bei Politik und Zeitgeschehen,
schließlich schreibt er Hörspiele, führt
auch Regie und entwickelt sich schnell zu einem der
wichtigsten Schriftsteller der Bundesrepublik.

Martin Walser wurde am 24. März 1927 als Sohn eines
Gastwirts in Wasserburg am Bodensee geboren und besuchte die
Oberschule in Lindau.
Studium der Literaturwissenschaft, Philosophie und
Geschichte an den Universitäten Regensburg und
Tübingen. 1951 Promotion mit einer Arbeit über
Franz Kafka: "Beschreibung einer Form".
Zwischen 1947-57 Mitarbeiter beim Süddeutschen Rundfunk
zunächst in der Unterhaltungs-Abteilung, dann in den
Redaktionen Politik und Zeitgeschehen. 1955 erste
Veröffentlichungen als Schriftsteller. Seit 1957 lebt
Walser als freier Schriftsteller mit seiner Frau Käthe
am Bodensee. Er hat vier Töchter.
Erste literarische Veröffentlichung 1955 mit dem
Erzählband »Ein Flugzeug über dem Haus und
andere Geschichten«. Die darin enthaltene Geschichte
»Templones Ende« wird im gleichen Jahr mit dem
Preis der »Gruppe 47« ausgezeichnet, der Walser
seit 1953 angehört.
Der Debütroman »Ehen in Philippsburg«, 1957
mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet, begründet
seinen Ruhm als Epiker der Alltagswelt. Sein umfangreiches
und vielseitiges Werk, das 1997 vom Suhrkamp Verlag in einer
zwölfbändigen Gesamtausgabe herausgegeben wurde,
umfasst bedeutende Romane, Novellen, Erzählungen,
Theaterstücke, Hörspiele und Übersetzungen
aus dem Englischen sowie eine Vielzahl an Aufsätzen,
Reden und Vorlesungen.
Zu Walsers bekanntesten Romanen zählen »Ehen in
Philippsburg« (1957), »Seelenarbeit« (1979),
»Brandung« (1985), »Die Verteidigung der
Kindheit« (1991), »Finks Krieg« (1996),
»Ein springender Brunnen« (1998). 2001 erschien
sein jüngster Roman »Der Lebenslauf der
Liebe«, der, wie schon »Ein springender
Brunnen«, gelesen vom Autor, auch als Hörbuch
erschienen ist.
Martin Walser wurde mit den wichtigsten deutschen
Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderen mit dem
Hermann-Hesse-Preis (1957), dem Gerhart-Hauptmann-Preis
(1962), dem Schiller-Gedächtnis-Förderpreis
(1965), dem Schiller-Preis (1980), dem Büchner-Preis
(1981), dem Ricarda-Huch-Preis (1990), dem
Friedrich-Hölderlin-Preis (1996) sowie dem
Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1998). 1990 erhielt
er die Carl-Zuckmayer-Medaille.
Hinzu kamen Ehrungen wie der Orden »Pour le
mérite« und das Große Verdienstkreuz mit
Stern. Walser ist Mitglied des PEN-Clubs, der Akademie der
Künste, Berlin, der Deutschen Akademie der
Darstellenden Künste und der Deutschen Akademie
für Sprache und Dichtung, Darmstadt sowie Ehrendoktor
der Universitäten Konstanz und Dresden und der
Katholischen Universität Brüssel.
© SWR Baden-Baden
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