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Rebland:
Durch Hitze mehr Nitrat im Wasser

Angesichts enormer Wasserreserven der Stadtwerke - selbst bei der derzeit anhaltenden Trockenheit - bringt der Varnhalter Ortschaftsrat und Vorsitzende der Vereinigung "Unser Badener Rebland", Volker Veit, wieder den Bau einer viel diskutierten Wasserleitung vom Grundwasserwerk Sandweier ins Rebland ins Gespräch.

Bis zu 18,8 Millionen Liter Trinkwasser am Tag wurden kürzlich in der Kurstadt verbraucht. Gefördert werden können vom Grundwasserwerk Sandweier laut Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Pahl aber bis zu 30 Millionen Liter täglich.

Das Rebland wird bisher mit einem Wassergemisch aus Bühler Grundwasser (Nitratgehalt 2003 zwischen 9 bis 17 Milligramm pro Liter) und Rebland-Quellwasser (Nitrat: 10 Milligramm) sowie mit Grundwasser aus dem Steinbacher Wasserwerk (Nitrat: 45 Milligramm) versorgt. Knackpunkt: Das Grundwasser aus dem Steinbacher Werk ist mit deutlich mehr Nitrat belastet als das Grundwasser aus Sandweier (Nitrat: 1 Milligramm). Davon soll laut einer Pressemitteilung von Ortschaftsrat Veit "endlich" auch das Rebland mittels einer Pipeline profitieren. Durch den Bau einer Leitung von .Sandweier ins Rebland könnte auf das Steinbacher und Bühler Grundwasser verzichtet werden. 500 000 Liter Grundwasser werden derzeit täglich aus Bühl eingekauft.

"Die Pipeline ist vom Tisch," sagte Pahl auf BT-Anfrage und verwies auf Beschlüsse der betroffenen Ortschaftsräte und des Gemeinderates. Der hatte wegen der kommunalen Haushaltslage gegen eine rund 7,5 Millionen Euro teure Pipeline und für den Bau von Quellwasseraufbereitungsanlagen im Stadtkreis votiert. Für den Bau einer Aufbereitungsanlage in Neuweier werden laut Pahl rund 500 000 Euro investiert. Damit soll mehr Quellwasser für das Rebland gefasst werden - bis zu 40 000 Liter täglich. Pahl: "Künftig kann dann noch mehr nitratarmes Quellwasser im Rebland beigemischt werden. Die Qualität wird steigen."

Wegen der anhaltenden Trockenheit kann derzeit im Rebland weniger Quellwasser dem Trinkwassergemisch beigefügt werden. Deshalb haben die Stadtwerke laut Pahl bei der jüngsten Wasseruntersuchung vom 7. August "bisherige Höchstwerte" beim Nitratgehalt im Rebland-Trinkwasser festgestellt - 37 Milligramm pro Liter. Das sind 13 Milligramm unter dem zulässigen Grenzwert (50 Milligramm).

Veit zweifelt in seiner Mitteilung an, dass angesichts einer vor Jahren entdeckten gesundheitsschädlichen "Kohlenwasserstofffahne" die volle Leistung von 30 Millionen Litern im Grundwasserwerk Sandweier gefördert werden könne. Dazu zitierte Geschäftsführer Pahl im BT-Gespräch aus einer Vorlage des Gemeinderates, die dem BT vorliegt: "Die neuesten Erkenntnisse zur Fahnenbetrachtung zeigen, dass durch die Sanierungsmaßnahmen ein Fahnenabriss erzielt wurde. Eine Gefährdung des Grundwassers ist nicht gegeben, wenn die Sanierungsmaßnahmen kontinuierlich weiter betrieben werden."

Weiter fordert Ortschaftsrat Veit in seiner Pressemitteilung Wasser mit niedrigeren Härtegraden für das Rebland. Denn während das Rebland-Quellwasser derzeit einen durchschnittlichen Härtegrad von drei aufweist, liegt der Härtegrad des Steinbacher Grundwassers aktuell rund sechs Mal so hoch bei 19,8. Nach dem Steinbacher und Bühler Grundwasser sowie das Rebland-Quellwasser gemischt sind, ergibt sich so ein Härte-Wert von 19,2 für das Trinkwasser im Rebland. Auch hier verweist der Stadtwerke-Geschäftsführer auf die Beschlüsse der Ortschaftsräte und des Gemeinderates: Sie sprachen sich angesichts der kommunalen Haushaltslage gegen eine Enthärtungsanlage aus.

(BT 21. 8. 2003)


Zum BT-Bericht vom 21. August schrieb ein Leser

Dreht sich denn letztendlich nicht alles in unserem Leben um unser Lebensmittel Nummer eins, das Trinkwasser? Wer kann dann noch argumentieren wie Herr Pahl?

Welche Sicherheit bedeuten denn diese 40 000 Liter Trinkwasser täglich mehr aus der verbesserten Quellfassung? Bühl liefert doch alleine schon 500 000 Liter täglich, mehr als das Zwölffache dieser Menge. Benötigt werden im Rebland aber durchschnittlich zirka 1 500 000 Liter pro Tag. Also sind diese 40 000 Liter (keine drei Prozent) für eine sichere Versorgung, und noch dazu in Sommern wie diesen, nicht allerhöchstens ein Tropfen auf den heißen Stein?

Ja wo leben wir denn, wenn tagtäglich zirka 500 000 Liter bestes Baden-Badener Trinkwasser für das öffentliche Grün, für die Pflege von Bäume und Pflanzen verwendet werden? Bezahlen wir Rebländer diese Mengen nicht genauso mit wie jede Gebührenerhöhung, ob für Abwasser, Gas, Strom, Stadtbücherei und Musikschule und so weiter?

Wie lange noch hat diese Ungleichbehandlung Bestand? Ist das Ganze nicht ein weiterer Beweis für unsere Einstufung als Bürger zweiter Klasse? Oder wer spricht da in Baden-Baden und den nördlichen Stadtteilen ein Wort von Solidarität, die umgekehrt ständig von uns gefordert wird? Was hat denn die Finanzierung der Pipeline mit der Haushaltslage der Stadt zu tun? Bezahlen nicht wir Bürger diese Maßnahme auf Cent und Euro? Kann man nach diesen neuen Aussagen des Stadtwerke-Geschäftsführers und allen anderen negativen Erfahrungen Herrn Pahl überhaupt noch ernst nehmen?

(BT 26.8.2003)


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