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Baden-Baden
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Bestnote für
Baden-Badener Trinkwasser

Eine Meldung in der Lokalpresse vom 4. Juli 2003 könnte neben allen werbewirksamen Qualitäten, die Baden-Baden aufzuweisen hat, ein weiterer Anziehungsfaktor werden:
Das Lebensmittel Wasser, das in Baden-Baden aus den Zapfhähnen kommt, wird als "sehr gut" eingestuft.

In 270 Städten mit mehr als 40000 Einwohnern der Bundesrepublik war je eine Wasserprobe gezogen und labortechnisch auf Schadstoffe wie Nitrat, Nitrit, chlorierte und halogenierte Kohlenwasserstoffe, sowie auf Geschmack untersucht worden.

Generell konnte festgestellt werden, dass das deutsche Trinkwasser so gut wie nie sei. (Badisches Tagblatt, 4.7.2003) In Bayreuth, Erlangen, Neustadt an der Weinstraße und eben in Baden-Baden wurden in den Wasserproben keine Rückstände der genannten Schadstoffe gefunden. Das Leitungswasser wurde somit für völlig schadstofffrei erklärt und mit der Bestwertung "sehr gut" versehen.

Wasser, der Hauptbestandteil lebender Materie, ist in seiner reinen Form geruchs- und geschmacksneutral. Viele Substanzen lassen sich im Wasser zerlegen, weswegen Wasser einerseits als Universallösungsmittel angesehen werden kann und zum anderen sehr selten in reiner Form zu finden ist. Beispielsweise reagiert Wasser beim Kontakt mit der Erdkruste mit Mineralien im Boden oder Gestein. Die im Wasser befindlichen Verunreinigungen, die das Wasser für viele Zwecke, wie zum Beispiel das Trinken, ungeeignet werden lassen, können mittels verschiedener Methoden chemischer und mechanischer Art entfernt werden.

Allgemein lautet die Bezeichnung für Wasser, das zum Genuss und zum Gebrauch durch den Menschen bestimmt ist, Trinkwasser. Auch dieses Wasser enthält eine Reihe von in ihm befindlichen Stoffen, die gegebenenfalls für den Menschen gesundheitsschädigende Folgen haben können, weswegen Grenzwerte dieser so genannten Schadstoffe nicht überschritten werden sollten.

Der Europäische Rat hat die "Richtlinie des Rates vom 15. Juli 1980 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (80/778 EWG)" herausgegeben, die am 3. November 1998 den aktuellen Erfordernissen angeglichen wurde. Die mit der Kurzform "Trinkwasserrichtlinie 98/83 EG" bedachte Vorgabe verpflichtete die Bundesrepublik Deutschland zur Umsetzung bis zum Dezember 2000.

Die Trinkwasserverordnung der EU weist keine Definition für Trinkwasser aus, sondern bezieht sich auf "alles Wasser, sei es im ursprünglichen Zustand oder nach Aufbereitung, das zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen oder zu anderen häuslichen Zwecken bestimmt ist, und zwar ungeachtet seiner Herkunft und ungeachtet dessen, ob es aus einem Verteilungsnetz, in Tankfahrzeugen, in Flaschen oder in anderen Behältern bereitgestellt wird ...". 48 mikrobiologische Parameter, chemische Parameter und Indikatorparameter, die in dieser Richtlinie ausgewiesen sind, führen zur Qualitätseinstufung des Wassers.

Die Wasserprobenuntersuchung der 270 Städte hat sich nicht mit allen Verunreinigungsmöglichkeiten des Wassers beschäftigt, weswegen die Aussage "Schadstoffwert für die Kurstadt: 0,0" nicht unbedingt zutreffen muss. Da das Trinkwasser jedoch als bestüberwachtes Lebensmittel in der Bundesrepublik Deutschland betrachtet werden kann und da in Baden-Baden diese Überwachung durch mehr als 2000 Proben jährlich realisiert wird, kann den Einheimischen und Gästen durchaus vermittelt werden:

In Baden-Baden wurde und wird sehr darauf geachtet, für optimales Trinkwasser zu sorgen, weswegen es eigentlich nur selbstverständlich sein kann, dass sporadische Qualitätsprüfungen von außerhalb ein sehr gutes Testergebnis zeitigen. (RW)

Aber…

jenseits von Fremersberg und Yberg, wo sich die Stadtteile Varnhalt, Neuweier und Steinbach befinden, stellt sich die Trinkwassersituation nicht "sehr gut" dar.

Das Trinkwasser im Rebland

Das Badische Tagblatt vom 4. Juli 2003 berichtet: "Im Rebland hätten sie Nitrat gefunden." und "Der Wert von 25 bis 30 Milligramm Nitrat - immer noch deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter - wird nämlich nur durch Beimischung von Trinkwasser aus Bühl erreicht."

Nitrat, ein Salz der Salpetersäure, ist sehr leicht wasserlöslich. Die Stickstoffverbindung Nitrat wird nicht nur in Pflanzen vorgefunden, sondern ist auch in tierischem Dünger und Kunstdünger vorhanden. Durch Intensivlandwirtschaft gelangt Nitrat ins Grund- und Trinkwasser. Da Nitrat mittels Bakterien im Boden oder im menschlichen Verdauungstrakt in giftiges Nitrit umgewandelt werden kann, sind Gesundheitsschäden beim Genuss von mit Nitrat belastetem Wasser nicht auszuschließen. Bei Säuglingen kann Nitrit zur so genannten Blausucht, Sauerstoffmangel im Blut, führen. Nitrit kann im menschlichen Körper eine Verbindung mit Eiweißstoffen eingehen und sich in krebserregende Nitrosamine umwandeln.

Sind im Trinkwasser Nitrat oder gar Nitrit vorhanden, so ist dies für den Menschen allemal bedenklich, gleichgültig ob Grenzwerte unterschritten werden.

Eine Studie der University of Iowa
belegt in einem 2001 veröffentlichten Bericht der Fachzeitschrift "Epidemiology" beispielsweise, dass bereits geringe Mengen Nitrat im Trinkwasser gefährlich sind.

"Frauen, die über zehn Jahre lang Trinkwasser mit mehr als 2,5 Milligramm Nitrat pro Liter verwendet hatten, hatten ein fast drei Mal so hohes Risiko, Blasenkrebs zu bekommen wie Frauen, in deren Trinkwasser weniger als 0,4 Milligramm Nitrat war, fanden die beiden Leiter der Studie, Peter Weyer und James R. Cerhan. Der Grenzwert liegt in Deutschland bei 50 Milligramm Nitrat je Liter Trinkwasser."

Hätten die Wassertester im Rebland neben Nitrat, Nitrit, chlorierten und halogenierten Kohlenwasserstoffen nach weiteren Schadstoffen wie beispielsweise Pestiziden im Trinkwasser gesucht, wären sie zweifelsfrei fündig geworden.

Die Wirkstoffe von Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln haben im Wasser überhaupt nichts verloren, auch wenn Grenzwerte von maximal 0,5 Mikrogramm pro Liter festgesetzt sind. Die von der chemischen Industrie entwickelten Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel enthalten Nervengifte, können krebserregend sein und zur Zeugungsunfähigkeit führen.

Ein Horrorszenarium tut sich auf: In einem
Heilbad mit Prädikat gibt es Stadtgebiete, in welchen das wichtigste Lebensmittel schlechthin derart verdreckt ist, dass es eine Gesundheitsgefahr darstellt, die lediglich durch die Beimengung von Wasser aus der Nachbarstadt Bühl etwas verringert wird.

Da Baden-Baden stolz auf seine drei 1972 eingemeindeten Reblandgemeinden ist, sollte diesem Stolz durch schnellstmögliche Beseitigung dieses untragbaren Zustands Rechnung getragen werden.


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