|
Stolpersteine in Baden-Baden
Am 4. November 2008 verlegte der
Kölner Künstler Gunter Demnig die ersten
21 Stolpersteine vor acht Häusern in
Baden-Baden.
Sophienstraße
20:
Julius Nachmann (tot 1942), Florine Nachmann (tot
1940), Rudolf Nachmann (überlebt), Hermann
Nachmann (überlebt), Johanna Wildberg (tot
1940), Sigmund Wildberg (tot 1942)
Stephanienstraße
2:
Philipp Lieblich (tot 1945)
Stephanienstraße
5:
Louis Weil (tot 1941), Frieda Kayem (ermordet
1942), Irma Kayem (ermordert 1942)
Sonnenplatz 1: Theodor Köhler (ermordet
1942) Auguste Köhler (ermordet 1942)
Lichtentaler Straße
56:
Erna Durlacher (ermordet 1944), Arthur Durlacher
(ermordet 1945), Gerhard Durlacher (überlebt)
Schillerstraße
3:
Dr. Kurt Lehmann (1942 ermordert), Liselotte
Lehmann (geflohen/überlebt)
Gunzenbachstraße
8:
Eugen Bruchsaler (1942 ermordet), Maria Bruchsaler
(tot 1939)
Kapuzinerstraße 20:
Gustav Hamel (ermordet 1944),
Margarete Hamel (1942 Flucht in den Tod)
Am 27. Januar 2009 wurden von Gunter Demnig weitere
Stolpersteine verlegt.
Ludwig-Wilhelm-Straße
6: Anna Michaelis
(ermordet 1942), Wilhelm Michaelis (überlebt),
Berta Dreifuß (tot 1940)
Lichtentaler
Straße 42: Erich Eil
(ermordet 1943), Johanna Eil (ermordet 1944), Fanny
Eil (überlebt), Erika Eil (überlebt),
Georgette Eil (auf der Flucht
geboren-überlebt)
Lichtentaler
Straße 88: Salie Harris
(ermordet 1938)
Fremersbergstraße
41: Jenny Salberg
(ermordet 1942), Clara Bielefeld (ermordet in einem
KZ), Lilly Rosalie Bielefeld (Flucht in den Tod
1940)
Stadelhofer
Straße 14: Dr. Arnold Sack
(tot 1940), Dr. Waldemar Sack (tot 1943), Sophie
Sack (überlebt), Heinz Adalbert Sack
(überlebt), Robert Arno Sack
(überlebt)
Hardäckerstraße
12: Julius Stern
(Flucht in den Tod), Berta
Stern (Flucht in
den Tod)
Vincentistraße
25: Leopold Less
(tot 1940), Else Less (überlebt)
Vincentistraße
26: Dr. Hugo Hauser
(ermordet 1944), Johanna Hauser (ermordet 1944),
Hans Hauser (überlebt)
Zeppelinstraße
2: Jacob Teutsch
(ermordet 1942), Gertrud Teutsch (ermordet
1942)
Eine Patenschaft für einen
STOLPERSTEIN kostet 95 Euro - zu überweisen
an: Stadtarchiv Baden-Baden, Konto 010868, BLZ
66250030 (Spendenquittung)
Pfarrerin Silke Alves-Christe von
der evangelischen Lukasgemeinde Baden-Baden
schreibt am 27. November 2007:
STOLPERSTEINE geben eine Stück Würde
zurück. Am Dienstag hat sich die Stadt
Baden-Baden zu ihrem Vorteil verändert. Sie
ist ehrlicher geworden, wahrhaftiger, offener. An
acht Stellen hat sie sich verändert.
Haben Sie die eine oder andere Stelle schon
entdeckt? Man muß genau hinschauen; denn die
Veränderung ist klein und unaufdringlich, aber
tiefgehend. Der Kölner Künstler Gunter
Demnig hat 21 Bewohnern unserer Stadt - Menschen,
denen vor etwa 70 Jahren alles genommen wurde,
schließlich sogar ihr Leben - wenigstens
ihren Namen wiedergegeben. Im Bürgersteig vor
der Haustür, durch die sie bis 1938 oder 1940
ein- und ausgingen, ist nun ein sogenannter
STOLPERSTEIN eingelassen, auf dessen
Oberfläche in einer Messingplatte der Name und
- ganz knapp - das Schicksal dieser früheren
Bürger und Bürgerinnen Baden-Badens zu
lesen ist.
Nach 377 anderen deutschen Städten und
Dörfern, in denen Gunter Demnig seit 1996
inzwischen mehr als 17000 STOLPERSTEINE verlegt
hat, gehört nun auch Baden-Baden zu den
Städten, die zumindest die Namen ihrer
vertriebenen, deportierten und ermordeten
Mitbürger in Erinnerung behalten wollen. "Das
Geheimnis der Versöhnung liegt in der
Erinnerung.“ Dieser Satz auf dem Gedenkstein vor
der Alten Polizeidirektion wird nun auf sehr
individuelle Weise verwirklicht.
Leider sind 21 STOLPERSTEINE nicht genug, um aller
Baden-Badener Opfer der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft zu gedenken. Gunter Demnig wird am
27. Januar 2009 weitere dieser sehr
persönlichen Zeichen unseres Gedenkens
verlegen.
Diese Wahrhaftigkeit der eigenen Geschichte
gegenüber finde ich sehr wertvoll. Und die
Form, die der Künstler Demnig dieser
Erinnerung gibt, beeindruckt mich: STOLPERSTEINE -
manche stolpern schon über diesen Begriff -
sind keine Steine, die unseren Fuß stolpern
lassen. Stolpern werden wir mit unseren Augen, mit
unseren Gedanken, vielleicht mit unserem Herzen.
Denn die Geschichte unseres Landes und auch unserer
Stadt ist nicht so, daß wir davon
unberührt unserer Wege gehen könnten.
Daß jüdische Nachbarn am 10. November
1938, also vor genau 70 Jahren, durch die Stadt
getrieben und gedemütigt wurden, daß ihr
wunderschönes Gotteshaus in der
Stephanienstraße entweiht und verbrannt
wurde, ist ein bleibender Anstoß. Mit dem
Herzen stolpern, kurz innehalten auf unserem Weg,
unsere Gedanken wenigstens für einen
Augenblick den Menschen zuwenden, die nach
Enteignung und Entrechtung die Deportation nach
Gurs und oft weiter in die Todeslager im Osten
erleiden mußten, das ist die Ehrlichkeit, zu
der die STOLPERSTEINE uns verhelfen wollen.
In dem Teil unserer Bibel, den Juden und Christen
gemeinsam haben, lesen wir beim Propheten Jesaja:
"Nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat,
Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte
dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich
habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“
Ermutigt von dieser Zusage unseres Gottes, die ja
in erster Linie dem jüdischen Volk gilt,
bedeutet es mir sehr viel, daß seit Dienstag
Bewohner und Besucher unserer Stadt auf
STOLPERSTEINE treffen, daß sie sich, um den
Namen auf der kleinen Messingplatte lesen zu
können, bewußt oder unbewußt vor
dem Opfer verneigen und ihm damit nach aller
grausamen Entwürdigung ein kleines Stück
Würde zurückgeben.
Von den in Baden-Baden geborenen
und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften
jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen:
Thekla Ackermann geb. Wiener (1872), Antonie Aron
(1889), Clara Baer geb. Hess (1881), Anna Bär
geb. Bensinger (1883), Jakob Bär (1875),
Salomon Bär (1870), Amalie Behr geb. Neter
(1874), Alice Bendix (1894), Ida Berger geb.
Katzenstein (1862), Arthur Bergmann (1880), Betty
(Henriette Netty) Bergmann geb. Rosenheim (1890),
Hilde Besag (1921), Ida Besag (1918), Lotte Besag
(1921), Clara Babette Bielefeld (1879), Lily
Rosalie Bielefeld (1878), Arthur Blaustein (1878),
Jakob Blum (1891), Nanette Blum geb. Gerstle
(1894), Siegfried Bodenheimer (1868), Chaim
Breitbart (1887), Eugen Bruchsaler (1886), Rosa
Buchmüller geb. Heilbronner (1869), Adolf Cohn
(1871), Dorothea Cohn geb. Meth (1904), Ernestine
Cohn geb. Frenkel (1868), Paul Nikolaus Cossmann
(1869),
Gustav Dermberg (1876), Irene Deutsch (1910), Mina
Deutsch geb. Hammel (1879), Berta Dreifuss geb.
Springer (1873), Walter Dreyfuss (1912), Helene
Durkop geb. Goldschmidt (1895), Arthur Durlacher
(1902), Erna Durlacher geb. Solomonica (1905),
Hermine Durlacher (1884), Julius Durlacher (1882),
Dorothea (Dora) Eberhard (1889), Karl Theodor
Eichtersheimer (1869), Erich Eil (1889), Johanna
Eil geb. Eltermann (1902), Daniel Eisenkling
(1888), Elfriede Eisenkling (1897), Helma (Helena)
Eisenkling (1932), Judith Eisenkling (1928), Frieda
Falk geb. Neumann (1920), Leopold Falk (1914),
Gerhard Fischer (1895), Betty Flegenheimer geb.
Löffel (1882), Moses Flegenheimer (1869),
Josef Fleischer (1873), Gertrud Freund geb.
Levinson (1876), Anna Fried geb. Bloch (1896), Emil
Fried (1883), Hans Fried (1905), Marianne Regina
Fried (1921), Lina Geismar geb. Katz (1894), Ludwig
Geismar (1896), Kathi (Katherine) Gottschalk geb.
Baumann (1873), Otto Gottschalk (1871), Gertrud
Halperin (1907), Gustav Hamel (1859), Margarethe
Hamel geb. Bon (1868), Lieselotte Nanette Hammel
(1919), Hugo Karl Hauser (1880), Johanna Hauser
geb. Hauser (1889), Dorothea Hecht (1875), Gertrud
Herbst (1902), Elise Hirschfeld geb. Weil (1870),
Benno Hofmann (1892), Bertha Hopp geb.
Grünwald (1881), Tekla Isaacsohn geb. Mandel
(1869), Emma Jankelowitz geb. Heilbronner (1879),
Dora Joseph geb. Metzger (1873), Ludwig Kander
(1877), Alfred Kaufmann (1880), Bertha Kaufmann
geb. Leopold (1899), Johanna Kaufmann (1923), Julie
Kaufmann (1889), Paul Kaufmann (1923), Frieda Kayem
geb. Mayer (1875), Helene Keller geb. Keller
(1909), Albert (Adelbert) Kirschner (1886),
Ingeborg Kirschner (1922), Margot Kirschner (1923),
Renate Kirschner geb. Goldschmidt (1894), Auguste
Köhler geb. Stern (1876), Theodor Köhler
(1880), Franz Sally Korwan (1865), Anna Lachmann
(1876), Recha Landsberg geb. Dreyfuss (1894), Ruth
Lastmann (1919), Kurt Lehmann (1909), Alfred
Leopold (1897), Leopold Less (1863), Hortense
Levinger geb. Königswerther (1869), Hedwig
Levy (1867), Helene Levy geb. Berliner (1890), Mina
Lion (1892), Helene Litten geb. Zacharias (1867),
Marianna Lorsch (1924), Franz Lust (1880), Else
Maier geb. Herrmann (1900), Ernst Mainzer (1886),
Olga Mainzer geb. Salomon (1892), Trude Manasse
geb. Lieblich (1904), Emma Mayer (1881), Ida Mayer
(1879), Julius Mayer (1884), Sophie Mayer geb.
Carlebach (1881), Anna Michaelis (1860), Sophie
Mary Modrze (1908), Florine Nachmann geb. Blum
(1874), Julius Nachmann (1869), Hermann Netter
(1870), Oskar Netter (1906), Thekla Neuburger
(1873), Helene Neumann geb. Berliner (1879),
Salomon Neumann (1874), Irmina Öhlbert geb.
Behr (1897), Nathan Pfeifer (1865), Paula Pick geb.
Lay (1880), Katherina Preis (1913), Karl (Carl)
Reis (1862), Bertha Rhein geb. Sternweiler (1877),
Berthold Roos (1920), Elisabeth Roos (1919), Ronald
Rose (1913), Martha Rosenbaum (1889), Heinz
Rosenberg (1903), Jeanette Rosenberg geb. Cronbach
(1875), Nina Rosenberg (1903), Helene Saalfeld geb.
Sternfeld (1887), Arnold Sack (1863), Elsa
Sänger geb. Belmonte (1878), Jenny Salberg
(1882), Melonia Schaalmann geb. Roos (1885), Anita
Schachne (1921), Emil Schloss (1860), Sophie
Spiegel (1903), Dina (Lina) Spiekenheuer geb.
Grodzenska (1889), Marion Spier (1908), Berta Stern
geb. Schnurmann (1878), Josef Stern (1893), Julius
Stern (1865), Anita Studinski geb. Schachne (1921),
Hedwig Gertrude Teutsch geb. Dreyfuß (1888),
Jacob Teutsch (1873), Arthur Ullmann (1914), Lili
Wahl geb. Jankelowitz (1906), Isidor Wälder
(1861), Fritz Weil (1904), Leopold Weil (1875),
Louis Weil (1858), Else Weiß geb. Herz
(1877), Heinrich Wetzlar (1868), Therese Wetzlar
geb. Joseph (1869), Johanna Wildberg geb. Gumprich
(1879), Sigmund Wildberg (1876), Fritz Salomon Wolf
(1884), Hermann Wolf (1861), Oskar Wolf (1886),
Sofie Wolf (1890), Rosa (Renle) Wolff geb. Maier
(1890), Johanna Ziegel (1915), Martha Ziegel geb.
Spiro (1884).
Quelle: Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den
Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung
der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"
Lesen Sie auch: Gerhard Leopold Durlacher
(1928-1996)
|