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Die Spielbank Stuttgart will das Casino Baden-Baden und dessen Filiale Konstanz übernehmen. Dort enden nächstes Jahr die Lizenzen. Bis März 2002 läuft nun die Bewerbungsfrist beim Innenministerium. Stuttgart lässt Kugel rollen Seit Wochen war spekuliert worden, ob sich das Stuttgarter Casino - bekanntlich im Besitz des Landes - um die Lizenz für die beiden privaten Spielstätten bewerben würde. Nun hat der Aufsichtsrat grünes Licht gegeben. "Wir setzen nicht nur auf Rot oder Schwarz, sondern hoffen auf Synergieeffekte'', sagte Peter Wolf, Geschäftsführer der Spielbank Stuttgart, am Donnerstag unserer Zeitung. Der Grund: Zwar ist Stuttgart hinter Dortmund und Berlin mit einem Bruttospielertrag von 137 Millionen Mark (2000) mittlerweile die dritterfolgreichste Spielbank in Deutschland. Aber der Konkurrenzkampf wird größer. Allein in der Schweiz werden 22 neue Casinos erwartet, drei davon - St. Gallen, Schaffhausen und Baden - liegen im Grenzgebiet zu Baden-Württemberg. Obendrein schließen sich auch in anderen Bundesländern Spielbanken zusammen. Beispiel Bayern: Dort arbeiten neun Casinos unter der Führung der Bayerischen Spielbanken in München. Die Idee von drei Spielbanken im Südwesten unter einem Verwaltungsdach könnte also Sinn machen. "Damit kann man in zentralen Punkten wie Einkauf und Personalkosten erheblich sparen'', so Casino-Chef Wolf. Im vergangenen Jahr hatten die drei Casinos im Land zusammen 241 Millionen Mark (123 Mio. Euro) eingespielt. Davon waren rund 224 Millionen Mark (114 Mio. Euro) als Spielbankabgabe in die Kasse von Finanzminister Stratthaus geflossen. Das Innenministerium rechnet für die Lizenzen mit Bewerbern aus dem In- und Ausland, weil die weltbekannte Kurstadt Baden-Baden als Standort begehrt ist. Mit diesem Vorteil möchte auch Stuttgart spielen, wie Wolf auf Nachfrage bestätigte. Wenn sein Casino den Zuschlag erhält, will er den Verwaltungssitz der drei Spielbanken nach Baden-Baden legen. Dennoch sollen die 250 Arbeitsplätze in Stuttgart erhalten bleiben. So viel ist klar: Alle Bewerber müssen nun umfangreiche Unterlagen vorlegen - von Nachweisen über die Wirtschaftlichkeit bis hin zu Investitionsplänen und einer Sicherheit von zwei Millionen Mark (rund eine Mio. Euro). Die letzte Entscheidung für die Vergabe der zehnjährigen Lizenz trifft dann das Innenministerium. Ob am Ende die reinen Fakten entscheidend sind? Immerhin könnte die Landesregierung mit einem Zuschlag für die eigene Spielbank Stuttgart die einst geplante Verstaatlichung der Casinos Baden-Baden und Konstanz durch die Hintertür doch noch erreichen - und sich damit weitere Einnahmen sichern. Die SPD hatte die Verstaatlichung der beiden Glückstempel in der großen Koalition erzwungen, um dem Festspielhaus Baden-Baden einen jährlichen Zuschuss von fünf Millionen Mark zu gewähren. Der Haken: Das Bundesverfassungsgericht erklärte im Juli 2000 das Spielbankengesetz des Landes für nichtig. Damit war der Deal der damaligen CDU-SPD-Koalition geplatzt. Im Sommer dieses Jahres hatte die CDU-FDP-Landesregierung dann ein neues Spielbankengesetz durch den Landtag gebracht. Ein Kernsatz: Lizenzen müssen künftig öffentlich ausgeschrieben werden, damit sich sowohl private als auch staatliche Interessenten bewerben können. Genau dies geschieht nun in Baden-Baden. Ob das dortige private Betreiberkonsortium sich erneut um die Lizenz bewirbt, ist offen. Großen Investitionen an beiden Standorten stehe eine erhöhte Abgabe von bis zu 92 Prozent der Spielerträge ans Land gegenüber: "So ein Betrieb muss sich aber noch rechnen'', begründet Geschäftsführer Hartmann Freiherr von Richthofen das Zögern. Andererseits betreibe man das Casino "seit 50 Jahren. Da liegt einem das Unternehmen schon am Herzen''. Also doch eine Bewerbung? "Im Frühjahr entscheiden wir'', sagt Richthofen und ergänzt mit Blick auf das Land und die Stuttgarter Bewerbung: "Wir hoffen auf ein faires Verfahren.'' © Leonberger Kreiszeitung, 12/2001 Zurück zum Archiv |
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