Widerstand
gegen die Tanzästhetik der
Nationalsozialisten
Ausstellung des Vereins Kunst und Kultur im
Landgericht
11. Januar bis 29. Februar 2008
Der Tänzerin, Bildhauerin und Nazigegnerin Oda
Schottmüller ist eine Ausstellung im
Baden-Badener Landgericht gewidmet. 17 Schautafeln,
konzipiert von der Gedenkstätte Deutscher
Widerstand in Berlin und dem deutschen Tanzarchiv
Köln, legen Zeugnis über das bewegte und
widerständige Leben der 1905 in Posen
geborenen Künstlerin ab.
Die zu Jugendzeiten als hochbegabt, aber labil
eingestufte Oda Schottmüller, die nach dem
Willen ihrer Familie ein kunsthandwerklich
tätig werden sollte, begann erst im Jahr 1928
mit ihrer tänzerischen Ausbildung in Berlin
und studierte parallel dazu Bildhauerei im Verein
Berliner Künstlerinnen, später an der
Schule des Bauhauskünstlers Johannes
Itten.
Im Theater am Kurfürstendamm war sie 1934 mit
ihren ersten Soloauftritten erfolgreich und begann,
sich in ihren Ausdruckstänzen als
Gesamtkuntwerk mit selbstentworfenen Kostümen
und Masken zu präsentieren.. Als Mitglied der
Reichskulturkammer war die
regimeanpassungsunwillige Künstlerin nicht
registriert. Erst 1937 lies sie sich in der
Fachschaft Tanz eintragen, um weiterhin als
Tänzerin für ihren Unterhalt sorgen zu
können. Einer dreimonatigen Wehrmachtstournee
durch Frankreich und Holland, folgte 1942 ein
dreimonatige Italientournee.
Über ihren kommunistischen Bildhauerkollegen
Kurt Schumacher war sie gegen Ende der 1930er Jahre
zum Berliner Widerstandskreis um den
Luftwaffenoffizier Harro Schulze Boysen gekommen,
der unter dem Fahndungs- und Sammelbegriff "Rote
Kapelle" unter besonderer Beobachtung des
NS-Überwachungsapparates stand. Im September
1942 verhaftete man Oda Schottmüller im Zuge
der Festnahme weiterer 120 Personen unter dem
Verdacht, aus ihrem Atelier geheime
Funksprüche nach Moskau zugelassen zu haben.
Am 26. Januar 1943 trotz vehementen Abstreitens und
des Mangels jeglichen Beweises zum Tode verurteilt,
wurde Oda Schottmüller, die nicht wegen ihrer
in ihren Tänzen gezeigten Ablehnung der
faschistischen Diktatur sondern wegen einer
unbewiesenen Behauptung in die Justizmaschinerie
der Nazis geraten war, in Berlin-Plötzensee
enthauptet.