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Günther Juergens - der Baden-Baden Maler

Baldreit-Stipendium Baden-Baden

Kapitel über Baden-Baden im Roman des ehemaligen Baldreit-Stipendiaten Steffen Kopetzky

"Grand Tour":
Im Schlafwagen durch Europa


Die Kurstadt zur Zeit der
Sonnenfinsternis im August 1999: Kulturbürgermeister Hassenwasser erlebt als Thales von Milet verkleidet die Eklipse. Eine russische Beischlafdiebin macht sich im Spielcasino an einen italienischen Mafiosi heran und nach dessen Ermordung im Brenner's, deren Zeuge sie wird, mit einem Koffer' voller Geld auf und davon. Mit leeren Händen bleibt - dank der Bummelei des Taxifahrers Balger - der fanatische Uhrensammler Friedrich von Reichhausen, genannt der Würger, zurück.

Nein: Einen Mord hat es damals nicht gegeben - und der Kulturbürgermeister heißt damals wie heute Liebenstein. Die geschilderte Geschichte stammt aus dem opulenten, weit über 700 Seiten starken Roman "Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication" von Steffen Kopetzky. Der junge, preisgekrönte, in Berlin lebende in Autor hat das zentrale Kapitel seines ansonsten in ganz Europa spielenden Werkes in Baden-Baden angesiedelt. Das kommt nicht von ungefähr: Kopetzky arbeitete während seines einjährigen Aufenthaltes als Baldreit-Stipendiat 1998/1999 in Baden-Baden bereits an diesem Buch.

"Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication" erzählt von dem Architekturstudenten Leo Pardell, der sich bar jeder finanziellen Mittel und in Ermangelung einer Unterkunft als Aushilfs-Schlafwagenschaffner verdingt - und bei den nächtlichen Reisen auf den Schienennetzen des Kontinents den merkwürdigsten Gestalten begegnet. Der Schlafwagen als Rettung aus einem selbst unverschuldeten Schlamassel? Diese Erfahrung kennt der Autor aus eigener Erfahrung, steckte er doch vor etwa zehn Jahren selbst einmal eine gewisse Zeit in der Uniform einer der großen europäischen Schlafwagengesellschaften. Kopetzky gibt Einblicke in eine dem Leser eher unbekannte Welt, denn schließlich schlafen die meisten Schlafwagengäste auf der Reise.

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Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication.
Erschienen im Eichborn-Verlag Berlin, 796 Seiten

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Ebenfalls quer durch Europa hetzt der Uhrensammler Friedrich von Reichhausen, der der ersten mechanischen Armbanduhr mit Jahrtausendanzeige, der mythischen Ziffer à Grand Complication 1924, nachjagt. Der Leser erfährt im Folgenden einiges über mechanische Uhren und die damit verbundene Sammelleidenschaft. Alle Figuren, die Kopetzkys Roman im wahrsten Sinne des Wortes bevölkern und deren Wege sich kreuzen, haben ihre Geschichten, die zeitlich das Jahrhundert umfassen. Um Liebe, Freundschaft, Spiel, Besessenheit, Zeit, Zufall, Reisen, Aufstieg und Verfall kreisen die Themen. Zunächst weit ausholend, lässt Kopetzky das Geschehen in der Silvesternacht der Jahrtausendwende sich spannend zuspitzen.

Zurück zu Baden-Baden. Hier sollte an jenem Tag der Sonnenfinsternis die entscheidende Uhrenauktion im Spielcasino stattfinden, die dann allerdings wie bereits eingangs erwähnt scheitert. In diesem Kapitel lässt Kopetzky, wie er selbst sagt, "liebevolle Karikaturen" von realen Personen zwischen
"Europ"' und "Brenner's" agieren, denen er andere Namen gibt. Dabei, lässt er sich selbst nicht aus. Unschwer zu erkennen ist, dass sich zum Beispiel hinter Kulturbürgermeister Hassenwasser der Dezernent Liebenstein verbirgt.

Auch die Stadt selbst ist Gegenstand und Bühne. Bei Lesungen habe er schon mehrfach festgestellt, dass es viele Leser "ganz entzückend" finden, wie die Stadt beschrieben ist, meint der Autor. Kopetzky erinnert sich gerne zurück an die Zeit seines Stipendiums in Baden-Baden: "Es hatte eine große Bedeutung für mich. Damals hatte ich die Recherchen zu meinem Buch abgeschlossen und ging richtig ans Schreiben." Er weilt immer noch häufig hier, hat Freunde hier: "Ich war sehr glücklich. Wenn ich einmal reich wäre, würde ich mir sofort eine Wohnung in Baden-Baden nehmen. Vielleicht macht mich das Buch ja reich."

Text: Badisches Tagblatt


Steffen Kopetzky, Jahrgang 1971, lebt in Berlin und arbeitete die letzten Jahre hauptsächlich an Grand Tour.

Vorher war er eine gewisse Zeit als Schlafwagenschaffner beschäftigt und veröffentlichte die beiden Bücher "Uneigentliche Reise" und "Einbruch und Wahn". Neben einer regelmäßigen Kolumne in der ZEIT, schreibt er für den Rundfunk, verschiedene überregionale Zeitungen und Zeitschriften und verfaßt Theaterstücke und Opernlibretti.

Steffen Kopetzky wurde bisher mit dem Kurt-Magnus-Preis der ARD, dem Preis des Landes Kärnten in Klagenfurt, dem Carolinenpreis für Journalismus und dem Else-Lasker-Schüler-Preis für Dramatik sowie zahlreichen Stipendien ausgezeichnet, so auch mit dem Baldreit-Stipendium der Stadt Baden-Baden.

Mit Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication legt er nun sein mit Spannung erwartetes literarisches Hauptwerk vor.

© WAEPART, Baden-Baden/Germany. Abbildung: public domain

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