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Baden-Baden
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Protest gegen Geschäft in der Lichtentaler Straße/Wegen Gestaltung Frist gesetzt/Unternehmer: "Noch nie Probleme gehabt"

"Inferno" sorgt für Zwist:
"Augen beleidigt"

Ein neuer Laden in bester Lage - und die Folgen: Offenbar trifft "Inferno" den Nerv der Kur- und Bäderstadt. Einzelhändler klagen, die Verwaltungsspitze schaltet sich ein, der Hauseigentümer setzt Fristen und die Kunden kaufen dem Geschäftsinhaber die Regale leer.

Eigentlich, so sagt Vakanz Ullas, "wollte ich nach Baden-Baden ziehen". Doch seit dem vergangenen Wochenende ist der 32-jährige Deutsche sehr nachdenklich geworden:. Am Samstag las er im BT, dass OB Sigrun Lang höchstselbst seinen "Megastore" zum Thema eines Pressegesprächs machte - und am Sonntag ,"beleidigte mich ein alter Mann", erzählt Uylas und sagt: "So was habe ich noch nie gehört. Ich habe Angst."

Was hat der freundliche Mann getan? Er ist Nachmieter von Geschäftsräumen, in denen die Bally Deutschland GmbH zuvor edle Schuhe verkauft hatte. Seit 18. Oktober bietet Uylas, der in Gummersbach zudem ein Schneiderei-Atelier führt, als Franchise-Nehmer der Kölner Inferno Warenhandel GmbH ein buntes und ständig wechselndes Warensortiment an. Derzeit reicht das Angebot von Butterbrotbeuteln über Büstenhalter auf Wühltischen bis zu Zahnputzcreme, Spielen und Vasen.

Und: Der Laden "brummt". Am verkaufsoffenen Sonntag waren bestimmte Artikel ausverkauft. Auch in dieser Woche kann sich Uylas über rege Kundschaft freuen - und Zuspruch: "Viele sagen: Wir brauchen einen solchen Laden." Er selbst betont: "Es gibt doch in Baden-Baden nicht nur reiche Leute." Aber bei Uylas ist auch Protest angekommen: "Die Schrift passt nicht, der Laden passt ist nicht" - so fasst er es zusammen.

Tatsächlich macht sich die Kritik vor allem an den "grellen" Schriftzügen fest, wie OB Lang sagte. Und Bürgermeister Jörg Zwosta wandte sich schriftlich an den Hauseigentümer. Darin ist von einem "Ausmaß der Niveaulosigkeit", die Baden-Baden "nicht angemessen" sei die Rede. Die Verwaltungsspitze sei "nicht Willens, diesen Zustand länger hinzunehmen". Gegenüber dem BT sagte Zwosta: "Das ist so unschön und so unästhetisch, dass es das an Baden-Badener Verhältnisse gewöhnte Auge zutiefst beleidigt." Darum bat Zwosta den Hauseigentümer, dafür zu sorgen, dass der "Pächter sich in das Niveau der Gestaltung der Geschäftsauslagen und des Schaufensters des übrigen Einzelhandels einfügt". Der Eigentümer wandte sich daraufhin schriftlich an Bally und forderte, dem Willen der Verwaltung nachzukommen. Die Bally-Hausverwaltung wiederum setzte Nachmieter Uylas eine Frist, der Forderung des Hauseigentümers zu folgen. Die Frist lief gestern ab.

Gestern Nachmittag traf sich Uylas indes mit dem Chef der "Inferno"-Kette in Köln. Peter Schaupp sagte auf Anfrage: "Das ist der 35. Laden - wir hatten noch nie Probleme. Ob Berlin, Wuppertal, Köln oder Düren: "Wir gehen immer in zentrale, gute Lagen und verkaufen preiswerte Produkte, im übrigen reguläre und ordentliche Ware", sagt Schaupp.
Den Hinweis von Bürgermeister Zwosta, dass sich viele Bürger bei der Verwaltung beschwert hätten, mag Schaupp überhaupt nicht gelten lassen. "500 bis 800 Kunden täglich kann man doch nicht wegreden." Vielmehr gebe es ein "Bedürfnis" nach besagtem Angebot: "Wir zwingen ja niemanden mit Waffengewalt, bei uns einzukaufen", sagt Schaupp lachend. Und er betont: "In Deutschland gibt es Gewerbefreiheit." Dennoch wolle er helfen, bei der Farbgestaltung eine Lösung zu finden: "Statt rot-gelb vielleicht gelb-beige." Tatsächlich wartet Zwosta bis kommenden Montag auf einen Vorschlag.

Indes richtet sich der Protest nicht nur gegen die äußere Gestaltung: Der neue Laden war auch Thema bei einer Vorstandssitzung der Aktionsgemeinschaft Einzelhandel. "Ein attraktives Geschäft wäre uns lieber", sagt Vorsitzender Jürgen Müller-Fox. Doch "Inferno" weise auch auf eine bedenkliche Entwicklung hin: Es werde in der Innenstadt immer schwieriger, "mit dem angestammten Sortiment die Miete zu erwirtschaften". Er weist darauf hin, dass es gelte, das "Renommee der Kur- und Bäderstadt" zu erhalten. Gegen preiswerte Marken indes habe er nichts. Müller-Fox: "Wir brauchen beides."

© Badisches Tagblatt 31.10.2001
von Patrick Fritsch



Anmerkung von uns dazu:

Die Farbgebung der "grellen", die "Augen beleidigenden, unästhetischen" Schriftzüge am Schaufenster dieses Geschäftes ist Rot-Gelb, also identisch mit den Farben des Baden-Badener Wappens. Wir haben Bürgermeister Zwosta daraufhin gefragt, was denn an der Farbgebung Rot-Gelb so "niveaulos" sei.

Zwostas Stellungsnahme uns gegenüber dazu: "Ich möchte noch bemerken, dass schon der Name "Inferno" vor dem Hintergrund der Anschläge in New York alles andere als passend ist. Schlimm genug, dass die Baden-Badener Farben rot-gelb auch noch mit "Inferno" in Verbindung gebracht werden."

Die Firma "Inferno" Warenhandels GmbH wurde 1994 gegründet.


 


 

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