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Prosa ohne Schnörkel
Elke Heidenreichs neuestes
Buch
Sie schreibt so unprätenziös, dass schon
allein dieses Wort zu aufgeblasen erscheint
für die schöne, schnörkellose Prosa
der Elke Heidenreich. Die 53-jährige
Journalistin und Autorin hat, nach der schlicht
ergreifenden Sammlung "Kolonien der Liebe" vor
mittlerweile fast zehn Jahren, einen zweiten Band
mit Kurzgeschichten zum Thema Nummer 1 vorgelegt.
"Der Welt den Rücken" heißt der Band, in
dem sieben Geschichten zeigen, wie Pärchen
sich einander zu- und damit von der Welt abwenden,
ihr den Rücken kehren. Doch komischerweise
sind die zwei Geschichten, in denen die Liebe eines
Paares die geringste Rolle spielt, die
stärksten. Wenn sie - kaum verschlüsselt
- dem ehemaligen Report-Moderator Franz Alt und dem
Südwestfunk Baden-Baden mit der
süffisant-journalistischen Beschreibung eines
Tages der offenen Tür die Ehre erweist oder
entfaltet, welche Des-Illusionierung für die
Belegschaft einer Kreuzberger Eckkneipe mit Boris
Beckers Abschied vom Tennis einhergeht -
Gedankenspiel, Satz und Sieg Heidenreich.
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Doch
manchmal muss es eben auch die Weltgeschichte sein,
die sich in ihre Liebesgeschichten mischt. Das
klappt bei der Titelgeschichte ganz gut. Doch bei
manchem Text hat man das Gefühl, dass da
dünne Charaktere und eine dünne
Geschichte über ein Konstrukt gestülpt
werden - und da bedient sich Elke Heidenreich oft
des Klischees: Beim Schwulen-Pärchen hat der
eine Mann Aids, die Lehrerin an der Waldorfschule
heißt Gudrun und das Paar, das Silberhochzeit
feiert, beschließt, sich zu trennen. Doch bei
so blutleeren Gestalten wie sie Elke Heidenreich in
dieser Geschichte vorführt, tut nicht mal
Scheiden weh.
Aber die populäre Autorin schafft es, sich und
den Leser wieder zu versöhnen mit dem flotten
Dreier, "Karl, Bob Dylan und ich". Da kehrt der
Leser gern der Welt den Rücken und wendet sich
ganz ihrem Buch zu. (NRZ)
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