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Mit Wandern und Dichten ging ein Jahr viel zu schnell vorbei.

Baldreit-Stipendiat Hendrik Rost nimmt Abschied von Baden-Baden. Wiedersehen bei Buchvorstellung im November.

"Du bist zweifellos einer der schönsten Orte für Läufer. Schwierig zwar, aber nie langweilig, uneben bis zur Verzweiflung...", schreibt Hendrik Rost in einem Abschiedsbrief an Baden-Baden. Dabei hat der junge Dichter und Philosoph die stille Klause in der Altstadt nicht als Trainingslager im Vorfeld des nächsten Stadtmarathons bezogen. Vielmehr ermöglichte ihm das Baldreitstipendium ein Jahr intensiver Arbeit frei von existenziellen Sorgen. Im gleichen Maße wie sich seine sportliche Kondition steigerte, wuchsen die Fortschritte auf literarischem Gebiet. Die gebündelten Manuskripte für den vierten Gedichtband wandern in die Reisetasche. Es mag noch dauern, bis sie geordnet und gesichtet einen Verleger finden.

Hendrik Rost sitzt auf den gepackten Koffern in der kleinen Wohnung in der Büttenstraße, in die mit
Alexej Schipenko bald ein neuer Stipendiat aus der Literaturszene einziehen wird. Über seinen Aufenthalt in der Kurstadtsitzend sinniert Rost: "Die Zeit ist nicht in Abschnitte eingeteilt, sie verläuft in Phasen, die vorbei sind, bevor man sich erinnert." Das Erinnern wird erst später kommen. Vielleicht, wenn er an einem kalten Winterabend seiner kanadischen Dichterfreundin am Kaminfeuer von Baden-Baden erzählt: "Eine ungewöhnliche Stadt, überschaubar, von ganz eigenem Flair. Es gibt dort Einrichtungen, die man in anderen Städten vergleichbarer Größenordnung nicht findet. Prachtvolle Ensembles der Belle Epoque, ein modernes Festspielhaus und bald auch einen Museumsbau des berühmten Richard Meier. Vor allem aber Natur. Und 600 Kilometer Wanderwege. Ich bin auf allen diesen Wegen mindestens dreimal unterwegs gewesen. Ein Jahr zwischen Schreibtisch und Wald."

Ein Jahr frei von den meisten Ablenkungen. Außer im Rahmen von vier Lesungen bewegte er sich selten unter Menschen. Die Tage verstrichen nach ein strengen Ritus - Frühaufstehen, Zeitungslektüre, zwei Stunden am Schreibtisch, Laufen, Kochen. "Ich könnte Tag und Nacht ausgehen", schwärmt der Dichter von der Baden-Badener Gastronomie. Das begrenzte Budget diktierte ihm allerdings Selbsthilfe am Kochtopf. Hendrik Rost geht sparsam mit seinen finanziellen Ressourcen um, auch mit dem Preisgeld des ihm im Juni verliehenen Dresdner Lyrikpreises, denn für einen jungen Dichter liegen die Optionen nicht gerade auf der Straße.

Hendrik Rost, Baldreit Stipendiat 2002

Dennoch: Je mehr er über Lyrik spricht, desto stärker begeistert er sich für dieses Literaturgenre, seine knappe melodische Formen, die Möglichkeit mit Sprache zu spielen, zu experimentieren und mit wenigen Worten Szenarien zu entwerfen, die mitunter vermögen, dem aufmerksamen Leser die Welt zu erklären. Mit Sinnkrisen hat Hendrik Rost trotz aller Zwänge nicht zu kämpfen, denn er hat in der Dichtkunst etwas gefunden, das ihn trägt.

Die Kontemplation in seinem "Dichtergehäuse", wie
Werner Bergengruen sein Heim nannte, half ihm, die Unruhe und die vielen Eindrücke, die er auf hundert Zetteln gesammelt mitbrachte, in schöpferische Formen zu gießen. Geduld zu haben und auf die "Geburt" eines Textes zu warten, der sich lange zuvor im Inneren ankündigte.

Nun aber - mit dem achtzehnten Umzug innerhalb der vergangenen acht Jahre, beschwert durch die Last einiger Bücherkisten, die ihm unverzichtbar sind, heißt es Abschied nehmen von den Hängen mit dem Blick in die Ebene, den er "schmerzlich vermissen" wird. Im November gibt's ein kurzes Wiedersehen zur Vorstellung einiger seiner Texte in gebundener Form. Dann sind die ersten Früchte seiner schöpferischen Tage an der Oos zu erkennen. (Gisela Brüning © BNN 15. 10. 2002)


Liebenstein verabschiedet Rost

Im Oktober 2002 beendete der Baldreit-Stipendiat 2001/02, der Lyriker Hendrik Rost, sein einjähriges Stipendium. Im Rahmen der Baldreit-Editon 2002 veröffentlichte Rost einen Gedichtband mit zwölf Gedichten „Dias von der Brandung im Oktober“. Die Gedichte stammen aus einem Manuskript, das während des Aufenthalts der Stipendiaten in Baden-Baden entstand.

Am 9. Januar 2003, verabschiedete Bürgermeister
Kurt Liebenstein Hendrik Rost. Der Fachjuror der Baldreit-Jury, Gerd Haedecke, gab eine Einführung zu den in der Bäder- und Kurstadt entstanden Gedichten und Hendrik Rost stellte die geistigen Produkte jener Wochen, in denen er "frei von den üblichen Sorgen gut arbeiten konnte" (BNN 11.01.2003), vor. Mit diesen zwölf Gedichten gelangte der ehemalige Baldreit-Stipendiat in die Endauswahl des renommierten "Leonce-und Lena"-Preises der Georg-Büchner-Stiftung.

Hendrik Rost hält der Kurstadt offenbar die Treue. Im Januar 2004 trug er im Kurhaus anlässlich einer Veranstaltung der Baden-Badener Philosophisch-Literarischen Gesellschaft seine Gedanken über Poetologie vor.


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