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Günther Juergens - der Baden-Baden Maler

Baldreit-Stipendium Baden-Baden

Junger Literat erschließt sich laufend die Welt
Hendrik Rost, der Baldreit Stipendiat 2002

Laufen, sich bewegen, vorwärts streben und den Gedanken freien Lauf lassen. Hendrik Rost ist ein Läufer - und ein Dichter - und noch bis zum Herbst Baldreit-Stipendiat in Baden-Baden. "Ohne Bewegung könnte ich gar nicht existieren", schiebt er das Klischee vom Poeten in der stillen Klause beiseite. Dem entspricht er ja auch gar nicht. So jung wie er ist mit seinen Stoppelhaaren und dem offenen Blick. Wahrscheinlich macht die Kenntnis dessen befangen, dass Hendrik Rost Germanistik und Philosophie studiert hat, und dass sein junges Werk schon mit so vielen Preisen und Stipendien geehrt wurde.

Mit seinen flinken Füßen erobert er sich die Stadt. Treppauf treppab die Stufen von seiner kleinen "Dienstwohnung" hinunter zur
Stadtbibliothek, dem zweiten Zuhause des Viel-und-alles-Lesers. Dann hinaus an den Bach, wo er den Wasseramseln in der Oos ein paar lyrische Betrachtungen widmet. Schließlich aber locken den Flachlandbewohner aus dem platten Norden die Hügelketten. Die Bezwingung des Panoramaweges in seiner vollen Länge ist noch eine Herausforderung, die auf ihn wartet. Im Herbst vor zwei Jahren hat er nich dem Läuferfeld der Zehntausenden angeschlossen, um die 42,2 Kilometer lange Marathonstrecke durch die Straßen Berlins zurückzulegen. Nach kurzem Lauf widerstrebte ihm bereits dieses stupide Dahinstürmen in der namenlosen Masse. Er entwickelte eine Taktik, die ihn, jeden Kilometer einem bestimmten Menschen widmend, gedanklich vom grauen Asphalt wegzog und ohne Qual dem Ziel entgegen trug.

Könnte dieser Marathonlauf als Metapher für das Leben des Hendrik Rost stehen? Ja und nein. Jedes Leben könnte durch eine Wegstrecke symbolisiert werden. Doch niemand hat, wie weiland König Miltiades den Läufer nach Athen, den Schüler Hendrik Rost auf die Dichtkunst gehetzt. Vielmehr brach sie sich Bahn aus dem Bedürfnis heraus, mit den Erlebnissen des Austauschschülers im fernen Amerika fertig zu werden. "Plötzlich stand da ein Gedicht." Seither hat Hendrik Rost nicht mehr mit dem Schreiben aufgehört. Fünf Jahre hielt er seine Erstlingswerke - "hermetisch dunkle Geschichten" - im Verborgenen, bevor er den Schritt in die Öffentlichkeit wagte. Obwohl ihn die Resonanz auf seine Arbeiten ermutigen, ja stolz machen könnte, ist er bescheiden davon überzeugt, dass der Welt ohne seine Gedichte nichts fehlen würde.

Immerhin: Der Brentano-Preis der Stadt Heidelberg und der Wolfgang-Weyrauch-Preis legen beredtes Zeugnis für die Qualität seiner Arbeit ab. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften, sind bereits zwei Gedichtbände beim Grupello-Verlag erschienen, ein weiterer "Fliegende Schatten" in der Edition Solitude. Die Kritik lobt die Stringenz seiner Texte, die Gabe, abgenutzt erscheinende Worte, in Instrumente einer überaus originellen, ja neuartigen Wahrnehmung zu verwandeln.

Hendrik Rost teilt nicht die Meinung derer, die behaupten, Baden-Baden leide an Vergreisung. Vielmehr habe er hier sehr sympathische Menschen kennen gelernt, allerdings noch keinen festeren Bekanntenkreis erschlossen. "Ich laufe ziemlich blind durch Baden-Baden. Es gibt nur mich und meine Gedichte", sagt er. Das könnte sich in den nächsten Wochen ändern. Etwa durch das Angebot an die Oberstufe der Gymnasien, in einer "Schreibwerkstatt" mit Hendrik Rost die Kriterien moderner Literatur zu erfassen und anzuwenden.
Gisela Brüning, BNN 15. 2. 2002

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© WAEPART, Baden-Baden/Germany. Abbildung: public domain

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