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Baden-Baden
aktuell

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Die ersten Bälle schlug ein englischer Pfarrer

Der älteste Golfclub
Baden-Württembergs
wird 100 Jahre alt

Lange Zeit war er der einzige im Land und galt als elitär. Heute freut sich der Golfclub Baden-Baden über jedes neue Mitglied. Vor allem Jugendliche sind auf dem Fremersberg hochwillkommen.

Die Gästeliste bei der Einweihung des ersten Clubhauses im Jahr 1905 liest sich wie ein Auszug aus dem Adelskalender: Graf Amezaga, Baron und Baronin Rüdt von Collenberg, Graf Vitzthum von Eckstaedt, Baron von Robbendorff, Baron und Baronin Röder von Diersburg und so weiter und so fort. Mit dabei auch Mr. Willy O. Roosevelt, ein Großneffe des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt, und Reverend Archibald S. White, der Initiator und Gründervater des Golfclubs Baden-Baden.

Der Pfarrer der großen englischen Gemeinde der Kurstadt hatte die Liebe zum Golfsport schon Ende des 19.Jahrhunderts mit auf den Kontinent gebracht und seit 1893 die ersten Bälle auf der Wiese vor der anglikanischen Kirche geschlagen. Dennoch dauerte es noch acht Jahre, bis der "Gemeinnützige Verein'', der sich um die Unterhaltungsmöglichkeiten für die Kurgäste kümmerte, zur Gründungsversammlung einlud, zweisprachig in Deutsch und Englisch, wie das bis ins 20.Jahrhundert üblich war.

Der erste Golfplatz entstand weit außerhalb der Stadt auf feuchten Wiesen unmittelbar am Bahnhof Oos. Die Großherzoglich Badische Eisenbahndirektion genehmigte den Golfspielern das Überqueren der Gleise und hatte auch nichts gegen die Benutzung der Bahnhofstoiletten einzuwenden. In den Zügen von der Stadt wurde ein Erster-Klasse-Abteil für die Golfspieler reserviert, später wurde den Zügen auch noch ein Salonwagen angehängt.

Schon 1911 wurde auf dem von neun auf achtzehn Löcher erweiterten Golfplatz in Oos die erste offene deutsche Meisterschaft ausgetragen. Das Clubleben blühte. "Es wurden Fünfuhrtees, Propagandatees mit Zigeunermusik, Salonorchestern und Negerkapellen eingeführt'', ist in der Clubchronik nachzulesen. Sponsoren spielten schon damals ein wichtige Rolle. Alfred von Kaulla, der Aufsichtsrats-Vorsitzende der Mercedes-Automobilwerke, stiftete 1912 einen Damenhut im Wert von 1000 Francs und ließ dafür eine Pariser Modistin mit einer Hutauswahl anreisen.

In eine Krise geriet der Club im Ersten Weltkrieg, als Fliegeroffiziere und Mannschaften in das Vereinshaus einzogen und zwei Drittel des Geländes zur landwirtschaftlichen Nutzung abgetreten werden mussten. Neben den Golfwiesen entstand ein Flugplatz, einmal schlug eine abstürzende Maschine auf dem Golfgelände auf. Das Golfspielen wurde zum Risiko. Der Club musste sich wohl oder übel nach einem neuen Gelände umsehen. Das wurde schließlich auf dem Fremersberg, dem heutigen Clubareal, gefunden. Die Stadt erwarb das hügelige Wiesen- und Waldgelände und verpachtete es dem Golfclub. Aus dem Stallgebäude des ehemaligen Selighofs wurde das heutige Clubhaus.

Noch einmal beeinflusste der Krieg die Entwicklung des Clubs. Die Mitgliederzahl schrumpfte 1943 auf 30, nach Kriegsende beschlagnahmte die französische Besatzungsmacht das Gelände, ließ deutsche Interessenten aber mitspielen. Deutsche Kriegsgefangene wurden zur Platzpflege abkommandiert.

Mit dem Wirtschaftswunder beginnt auch der Baden-Badener Golfclub aufzublühen. 1981 zählte er wieder 376 Mitglieder. Nicht jeder wird aufgenommen und nicht jeder darf spielen. "Voraussetzung für die Freigabe zum selbständigen Spielen ist ein ausreichendes spielerisches Können, die Kenntnis der Etikette sowie die Kenntnis der wichtigsten Golfregeln'', heißt es 1981 in den Statuten.

Damals war der Club weit und breit der einzige mit einem 18-Loch-Platz. Inzwischen sind rund ein Dutzend in der weiteren Umgebung entstanden und der Club musste umdenken. "Wir brauchen jährlich 15 bis 20 neue Mitglieder, um den Etat zu decken'', sagt der Architekt Professor Christoph Kohlbecker, Präsident seit 1996. Vom 1,63-Millionen-Budget des laufenden Jahres entfallen allein 723000 Mark auf Personalkosten für die neun fest angestellten Mitarbeiter des Clubs für Platzpflege, Maschinenpark und Sekretariat. Etwa vier Millionen Mark seien in den vergangenen zehn Jahren in die Sanierung und Verbesserung der Anlagen geflossen.

Um den vom Orkan Lothar angerichteten Schaden von 370000 Mark zu decken, musste der Verein erstmals sogar einen Kredit aufnehmen. "Wir sind ein Club wie jeder andere'', wehrt Präsident Kohlbecker Fragen nach der elitären Vergangenheit des Clubs ab. "Bei uns kann jeder Mitglied werden, der Freude hat am Sport und der bereit ist, sich am Clubleben zu beteiligen.'' Ein bisschen Geld muss er - wie in jedem Golfclub - allerdings mitbringen: 4000 Mark Aufnahmegebühr, hinzu kommt eine Umlage von 10000 Mark, die in zehn Jahresraten bezahlt werden kann. Der Jahresmitgliedsbeitrag beträgt 2100 Mark. "Wir liegen damit eher an der Untergrenze'', sagt Kohlbecker. Von den derzeit 594 Mitgliedern sind 107 Jugendliche. Ihren Anteil möchte der Club gern noch weiter erhöhen. Er ist deshalb schon an örtliche Schulen herangetreten. Jugendliche Mitglieder, die dem Club auch im Erwachsenenleben treu bleiben, wird ein Beitragsrabatt eingeräumt. Das hundertjährige Jubiläum des Clubs soll im September mit sportlichen Wettbewerben, einer Kunstausstellung und mit einem Galaabend am 8. September im Kurhaus gefeiert werden. In Vorbereitung ist außerdem eine ausführliche Festschrift mit Texten und Bildern aus der illustren Geschichte des Clubs.



© Stuttgarter Zeitung, Juli 2001


 


 

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