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Eichstraße 1: Ärztehaus geplant

Abriss des alten Gebäudes aus dem Jahr 1812 ist schon erfolgt

Ein nach Ansicht von Fachleuten Stadtbild prägendes Haus in der sogenannten Neustadt ist dem Abrissbagger zum Opfer gefallen. Ein Karlsruher Unternehmen hat das Grundstück bereits abgeräumt. Auf dem Gelände soll nach Informationen der BNN ein "Ärztehaus" entstehen. Auf drei Vollgeschossen, so die Planung, sollen drei Arztpraxen unterkommen, Stellplätze sind im Untergeschoss vorgesehen. Mit dem Bau wird der Baden-Badener Internist und Rheumatologe Dr. Gerhard Kittel in Verbindung gebracht. Der wollte gestern "überhaupt keinen Kommentar abgeben". Der Zeitpunkt dazu, so Kittel, sei "falsch".

In den Gremien des Gemeinderates sind die Pläne für einen Neubau bislang noch nicht aufgetaucht. Auch von einem Abriss war bislang öffentlich nichts bekannt. Muss es auch nicht, denn das Grundstück liegt im Sanierungsgebiet Neustadt. Abbruch des maroden Gebäudes und Neubau entspricht den Sanierungszielen.

Eigentümerin des zweigeschossigen Hauses war zuletzt die Gesellschaft für Stadterneuerung und -entwicklung (GSE), bekanntermaßen eine 100-prozentige Tochter der Kommune. Die GSE hatte die Immobilie 1990 einem Baden-Badener Architekten abgekauft, dann aber nichts weiter zum Erhalt der Bausubstanz unternommen. Bezahlt wurde der Kaufpreis seinerzeit weitgehend aus Sanierungsmitteln. Die können anscheinend für den Neubau aber nicht in Anspruch genommen werden. In dem Wohnquartier um Eich,- Merkurstraße und Schlossergasse heißt es, dass die Verwirklichung der Pläne für ein Arztehaus nicht ganz unproblematisch seien. Vieles hänge vom Entgegenkommen der Grundstücksnachbarn ab.

Zweifelhaft ist der Denkmalschutzstatus des mittlerweile abgerissenen Gebäudes. In der offiziellen Liste des Landesdenkmalamtes taucht die Adresse "Eichstraße 1" nicht auf. Anderweitig ist zu hören, es habe doch Denkmalschutz bestanden.

Nicht zuletzt wegen eines Türsturzes im Baustil des frühen 19. Jahrhunderts, der die Zeiten des Brachliegens bis zum Abriss überdauert hat. Denn ein Aushängeschild für die Neustadt war das Gebäude nicht gerade. Seit mindestens 20 Jahren stand das Haus leer, was dem Gemäuer nach und nach auch anzusehen war.

Das Haus weist übrigens eine verhältnismäßig lange Liste von Eigentümern auf, die dem Erbauer Josef Schweigert nachfolgten. 1840 residierte dort ein Schlosser, im Revolutionsjahr 1849 befand sich in dem Haus ein Handelsgeschäft. Im so genannten Hinterhaus wurde 1887 eine Wagnerei betrieben.

BNN 1.8.2002


GSE kauft Handwerkerhaus in der Eichstraße
für 720000 DM

Verkaufspreis wurde Ende 2001
auf 495000 DM festgesetzt

Der Verkauf des Grundstücks Eichstraße 1 und Abriss des sich darauf befindenden Gebäudes hat einen schalen Nachgeschmack. Das zweigeschossige Haus stand seit 1998 unter Denkmalschutz. Es handelte sich um eines der letzten Handwerkerhäuser aus der Epoche des frühen 19. Jahrhunderts. Fest steht, dass es einen Interessenten gab, der das marode Bauwerk sanieren wollte. Doch die Stadt und ihre Bautochter GSE, der das Grundstück gehörte, hatteb daran offenbar überhaupt kein Interesse. Stattdssen verkauften sie die Immobilie an den Baden-Badener Arzt Gerhard Kittel zu einem weit geringeren Betrag, als die GSE Jahre zuvor aneinen Archritekten aus der Kurstadt gezahlt hatte. Der Denkmalschutzstatus fiel weg, weil ein Gutachten die Unterhaltung des Gebäudes mit jährrlich 40000 Mark beziffert hatte - daher für die GSE unzumutbar.

Der Umgang mit dem Grundstück spielte sich bis dato hinter verschlossenen Türen ab. Klar ist, dass sich schon im Dezember vergangenen Jahres der Hauptausschuss in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Thema beschäftigt und einem Verkauf an Gerhard Kittel zum Preis von (damals noch) 495 000 Mark zugestimmt hat. Die Unternehmensgruppe Brandau hatte einen Kaufpreis von 300000 DM geboten, allerdings mit Sanierungsangebot für das Gebäude. Für die rund 220 Quadratmeter Gelände inklusive Bausubstanz hatte die GSE zehn Jahre zuvor noch 720 000 Mark an den Vorbesitzer überwiesen. Damals ging man von einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 4,4 aus, mithin einer vierstöckigen Bebauung. Als problematisch gilt die Schaffung von Stellplätzen für einen geplanten dreistöckigen Neubau mit Arztpraxen und Wohnungen.

Parkflächen können offenbar nur auf angrenzenden Grundstücken angelegt werden, die noch zu kaufen wären. Auch die bauliche Nutzung wäre ohne weitere Grundstückszukäufe stark eingeschränkt, wie es noch Ende 2001 in einem Rathauspapier heißt. Konkrete Pläne sind bislang noch nicht auf der Tagesordnung des Bauausschusses aufgetaucht. Beim Verkauf des Grundstücks unter Verzicht auf eine Sanierung des Gebäudes haben sich GSE und kommunale Gremien offenbar von finanziellen Argumenten leiten lassen. Weil die Immobilie mit Sanierungsmitteln bezahlt wurde und für einen erheblich geringeren Preis als die Kaufsumme veräußert wurde, hätte diese Differenz von 225 000 Mark an der Stadt hängen bleiben können. Wäre das Grundstück bis zum Ende des Sanierungszeitraums (Dezember diesen Jahres) nicht verkauft worden, hätte die Stadt die Immobilie zum damaligen Kaufpreis von 720 000 Mark übernehmen müssen.

BNN 2.8.2002


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