40 Jahre "Elysée-Vertrag".
Festakt auch in Baden-Baden.

Deutsch-fanzösisches
Gipfeltreffen im Jahr 1962
in Baden-Baden
mit weit reichenden Folgen.

Mit zahlreichen Feierlichkeiten in Paris und Bonn wird die Unterzeichnung des "Elysée-Vertrages" vor 40 Jahren gewürdigt, wo der Grundstein zur deutsch-französischen Freundschaft gelegt wurde. Bis heute regelt der Vertrag die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten in Bereichen wie der Außen-, Verteidigungs- und Kulturpolitik.

So werden im Januar 2003 das deutsche Parlament und die französische Nationalversammlung erstmals gemeinsam tagen und die Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages mit einem Festakt im Elysée-Palast sowie anschließend im Schloss von Versailles würdigen. Danach werden die Feierlichkeiten in Berlin fortgesetzt.

Auch in Baden-Baden, wo 1962 bei einem Gipfeltreffen zwischen Konrad Adenauer (Ehrenbürger unserer Stadt), und Charles de Gaulle die Weichen für die deutsch-französische Freundschaft gestellt wurden, fand am 21. Januar im Kurhaus ein Festakt "40 Jahre Elysée-Vertrag", statt.

Alle Bürger und Gäste waren dazu von der Oberbürgermeisterin Dr. Lang, der Deutsch-Französischen Gesellschaft Baden-Baden und dem Fernsehsenders
ARTE eingeladen.


Adenauer, de Gauule, Schröder, de Murville

Obwohl in Baden-Baden schon immer weit reichende Politik gemacht wurde, brachte das kurzfristig anberaumte deutsch-französische Gipfeltreffen am 15. Februar 1962 im Brenners Park-Hotel eine gewisse Aufregung in die Kurstadt. Der Schnappschuss aus dem Brenners-Archiv zeigt Ministerpräsident de Gaulle (links), Bundeskanzler Dr. Adenauer (rechts), sowie die beiden Außenminister Couve de Murville (2. von links) und Dr. Schröder (3. von links)

Im Mai 1968 kam Charles de Gaulle unter anderen Umständen erneut nach Baden-Baden.
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Über den Festakt in Baden-Baden:


Eine Freundschaft, die nicht rostet

"Würdige Herren auf angegilbten Schwarzweißbildern: Ist das der Staub, der sich nach 40 Jahren über die deutsch-französischen Beziehungen gelegt hat?" Mit dieser provozierenden Frage kündigte der Fernsehsender "ARTE" in einer Programmvorschau seinen Beitrag "Ein Freund, ein guter Freund - Paare und Politik" an. Anlass der gestrigen Film-Ausstrahlung war der 40. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags, der am Dienstagabend auch im Runden Saal des Baden-Badener Kurhauses feierlich begangen wurden.

Höhepunkt des Festaktes, zu dem neben arte Deutschland auch OB Sigrun Lang und die Deutsch-Französische Gesellschaft Baden-Baden geladen hatten, war eine Vorabpremiere der 53-minütigen Filmdokumentation von Didier Deleskiewicz nach einer Idee von Joachim Fritz-Vannahme. Am kommenden Mittwoch wiederholt ARTE den Film Nachmittagsprogramm.

Eingestimmt wurden die zahlreichen Zuschauer durch eine Aktion des Teams "Ballooning 2000". Zwei Ballons hatte man zum "Nachtglühen" auf der Kurhauswiese aufgestellt.

Dokumentarisches Filmmaterial aus vier Jahrzehnten und aktuelle wie historische Interviews mit Politikern und Politologen zeigen, dass die sich Schritt für Schritt entwickelnden Beziehungen zwischen den einstigen "Erbfeinden" von Anfang an auf emphatische Zustimmung und kalte Skepsis stießen. Briten und Amerikanern, aber auch den Transatlantikern der Adenauer-Zeit war der Elysée-Vertrag anfangs ein Dorn im Auge. Der Vertrag markiert den entscheidenden Schritt im Aussöhnungsprozess zwischen Deutschland und Frankreich; bis heute regelt er die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten in Bereichen wie Außen-, Verteidigungs- und Kulturpolitik.

Protagonisten dieser Entwicklung waren vor allem Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, später Valéry Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt, schließlich Helmut Kohl und François Mitterrand. Sie kommen in der Dokumentation ebenso zu Wort wie Adenauers Übersetzer Hermann Kusterer, der britische Europa-Kenner, "Guardian"-Leitartikler Hugo Young und der amerikanische Historiker Stanley Hoffmann. Der Politikwissenschaftler Alfred Grosser, selbst ein engagierter Wegbegleiter deutsch-französischer Beziehungen, spannt den Bogen und lässt die großen wie die schwierigen Augenblicke der vergangenen Jahrzehnte Revue passieren.

Eine Freundschaft, die nicht rostet

Um die Frage "Franzosen und Deutsche: Ein ganz besonderes Verhältnis oder Ankunft in der Normalität?" drehte sich die anschließende Diskussionsrunde mit Pascale Hugues, Filmautorin und Berlin-Korrespondentin des französischen Magazins "Le Point" und Joachim Fritz-Vannahme, ehemaliger Frankreich- und heutiger Brüssel-Korrespondent der Wochenzeitung "Die Zeit". Als Moderator fungierte Klaus Wenger, Historiker und Geschäftsführer von arte Deutschland. Ein lange währendes Ungleichgewicht zwischen der deutschen Begeisterung für Frankreich und dem geringeren Interesse der Franzosen an den Nachbarn jenseits des Rheins stellte Fritz-Vannahme fest. Heute seien die politischen Probleme in beiden Nachbarländem jedoch sehr ähnlich geworden, ob es nun um die Integration muslimischer Mitbürger gehe oder um die Bekämpfung aufkeimenden Rechtsradikalismus. Das nehme einerseits die Faszination des Fremden, sei aber auch eine Chance, alte Klischees abzuschütteln.

Pascale Hugues berichtete wie kompliziert es noch vor einigen Jahren gewesen sei, mit dem Fahrrad vom Elsass für einen Schwimmbadbesuch nach Kehl zu kommen. Kaum mehr vorstellbar sei es heute für sie, immer an den Personalausweis denken und Geld umtauschen zu müssen. Die Nachfrage aus dem Publikum, ob die deutsch-französische Beziehung nicht mittlerweile eine Sache der älteren Generation sei, konnte die Journalistin mit dem Hinweis beantworten, dass unter den jungen Franzosen das Interesse zumindest an der Bundeshauptstadt Berlin immer weiter wachse und die deutsch-französische Freundschaft nicht roste.

Badisches Tagblatt, 23. Januar 2003


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