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Baden-Baden
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Alle drei Spielbanken des Landes nun in staatlicher Hand.
Spielbank Stuttgart will die Casinos in Baden-Baden und Konstanz bei der Übernahme "fair" behandeln.

Die Würfel sind gefallen - nichts geht mehr

Nichts geht mehr für die private Betreibergesellschaft des Hartmann Freiherr von Richthofen. Das Spiel um die beiden Lizenzen für die Spielbanken Baden-Baden und Konstanz machte Stuttgart. Die staatliche Spielbank Stuttgart gab in dem schier unendlichen Vorverhandlungen das eindeutig bessere Konzept ab. Ab dem 1. 8. 2003 liegen alle drei Casinos in staatlicher, schwäbischer Hand.

Dass von Richthofen dagegen klagen wird, ist anzunehmen. Schon sein Vater Bolko hatte die
Spielbank Baden-Baden geführt. Sein Sohn Hartmann wird sich das "Familiensilber" so schnell nicht nehmen lassen. Doch der Clan um von Richthofen hat seine Karten auf alle Fälle überreizt. Eine Erneuerung der Lizenz für weitere 10 Jahre konnte sich das Land kaum mehr leisten. Zu viele Affären und Skandälchen soll sich die Betreibergruppe bisher geleistet haben. Jetzt ist das Spiel aus. Rien ne va plus.


Neuer Schwung für die Kugel

"Durch ein gemeinsames Marketing, eine gut organisierte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sowie durch geeignete Verkaufsförderung werden wir der Roulettekugel in allen drei Spielbanken des Landes wieder neuen Schwung geben", sagte der Geschäftsführer der Spielbank Stuttgart, Peter Wolf. In der Tat - es sind Millioneninvestitionen nötig, um neue zahlungskräftige Kundenkreise zu erschließen und der starken Konkurrenz in der Schweiz zu begegnen.

Casino Baden-Baden

Nach Wolfs Angaben wird auch die Belegschaft eine "gerechte Chance" bekommen. "Wir werden bei einem Stand von über 600 Mitarbeitern bleiben." In Stuttgart und Baden-Baden sind jeweils 250 Mitarbeiter beschäftigt, in Konstanz etwa 130.

Ein Zugeständniss hat man Baden-Baden allerdings gemacht: Die neue Betreibergesellschaft soll ihren Sitz in der Kurstadt bekommen.


Masse - statt Klasse?

Ob die Stuttgarter mit ihren "Marketing-Weisheiten", wie man sie auf deren Website lesen kann, auch im traditionsreichen Baden-Badener Casino erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten.

So sehen die Schwaben das Glücksspiel "als Element der Freizeitkultur" und sie wollen die heutigen Casino-Besucher "nicht mehr wie eine Kundschaft behandeln, sondern wie eine gedrängte Schar von Gästen, die als solche mit verführerischen Angeboten angelockt, überzeugt, behandelt, zufriedengestellt werden müssen."

Man kann bei solchen "Einsichten" nur hoffen, dass in Baden-Baden die Freiflächen vor dem Casino nicht in Bus-Parkplätze umgewandelt werden.

Zu hoffen bleibt auch, dass die Stuttgarter die besondere Situation Baden-Badens als Kur- und Bäderstadt erkennen und gemeinsam - und nicht im Alleingang - ihre werblichen Aktivitäten mit dem städtischen Gesamt-Marketing abstimmen. Denn nur so lassen sich neue, zahlungskräftige Zielgruppen erschließen.


Das läßt hoffen

Die staatlichen Betreiber engagieren sich nach eigenem Bekunden, "sowohl im kulturellen, als auch im gesellschaftlichen und sportlichen Bereich. Es werden Gelder für Museen, Ausstellungen, Vernissagen oder für die Berufsausbildung junger, talentierter Künstler gestiftet."

Das lässt hoffen. Denn gerade in diesen Bereichen hat die finanziell gebeutelte Kurstadt in letzter Zeit gravierende Einsparungen vorgenommen. (Wir berichteten).


OB Lang bedauert außerordentlich

Auch die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Dr. Lang hat sich Gedanken über die veränderte Situation gemacht und ließ nachfolgendes Statement verbreiten:

"Ich kann, als Vertreterin der Gesellschafterin Stadt, die Enttäuschung der Beteiligten an den Spielbankgesellschaften Baden-Baden und Konstanz sehr wohl verstehen, die über viele Jahrzehnte diese beiden Spielbanken aufgebaut, zu großem Erfolg geführt und damit zum weltweiten Renommée Baden-Badens wesentlich beigetragen haben. Ich bedauere als Oberbürgermeisterin diese Entscheidung außerordentlich.

Um der Stadt Baden-Baden ihre besondere Rolle bei der Entwicklung der Spielbanken Baden-Württembergs auch in Zukunft zu sichern, habe ich mich für den Fall einer Änderung des Betreibers bei der Landesregierung dafür eingesetzt, dass Baden-Baden als Standort für eine neue Spielbankgesellschaft ausersehen wird. Bei den nun anstehenden Gesprächen mit dem Konzessionsgeber Land über konkrete Mitwirkungsmöglichkeiten der Stadt in der neuen Gesellschaft werde ich mich weiterhin sehr engagiert für eine angemessene Berücksichtigung der historisch begründeten Interessen unserer Stadt als Spielbankstandort einsetzen. Ich freue mich, dass aus Pressemitteilungen hervorgeht, dass der Sitz der neuen Gesellschaft aufgrund meiner Bemühungen nach Baden-Baden kommt."

28.1.2003 (WP)
Abb. © Casino Baden-Baden


Nachspiel

Die Gesellschafter der Spielbank Baden-Baden gehen gerichtlich gegen die Vergabe der Konzession an die Staatliche Spielbank Stuttgart vor. Eine Sprecherin des Verwaltungsgerichts Karlsruhe bestätigte am 12. Januar 2003 den Fax-Eingang einer gegen das Land Baden-Württemberg gerichteten Klageschrift (AZ: 7 K 497/2003). Nach Informationen des Südwestrundfunks stützt sich die Klage auf eine Zusage des früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU), der den Spielbankbetreibern die Konzession für Baden- Baden und Konstanz bis zum Jahr 2010 zugesagt haben soll.


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