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Die Stadt Baden-Baden leistet sich seit Jahrzehnten ein öffentliches Wannenbad. Mit nur einer Handvoll Stammgäste ist und bleibt die Waschanstalt ein Zuschussbetrieb. Arm ist Baden-Baden nicht. Schon gar nicht arm an öffentlichen Bademöglichkeiten. Doch ganz unscheinbar, gut versteckt in einem Schulgebäude in der Weststadt, fristet eine eher ungewöhnliche Badeanstalt ein Schattendasein: Das Baden-Badener Volksbad ist kein Promi-Pool mit goldenen Armaturen oder aufwendigen Wasserspielereien. Hier können jene ein schlichtes Bad in der Wanne nehmen, die zu Hause keine solche haben. Das Volksbad in der Weststadt sei das letzte seiner Art, berichtet Fritz Reiff, der beim Bauverwaltungsamt für die städtischen Bäder zuständig ist. Gleich nach dem Krieg, als die Wohnungsausstattungen selbst in Baden-Baden noch nicht bonfortionös waren, sind in vielen Stadtteilen öffentliche Wannenbäder eingerichtet worden. Aus Rentabilitätsgründen wurden die Waschanstalten aber nach und nach geschlossen, weil die meisten Leute nun eine eigene Wanne im Badezimmer haben. "Da gab es dann immer harte Diskussionen im Gemeinderat", beschreibt Reiff die Schließungsverhandlungen mit den Stadtteilen. Das verbliebene Volksbad in der Rheinstraße verschlingt jährlich rund 10.000 Mark an Zuschüssen für Personalkosten und Unterhalt. Dafür können sich die Waschwilligen aus dem ganzen Stadtgebiet an Freitagnachmittagen zwischen 15 und 17 Uhr für drei Mark die halbe Stunde in der Wanne räkeln. Handtuch und Badezusätze müssen mitgebracht werden. Die Stammgäste kann man an zwei Händen abzählen: "Sieben bis zehn meist ältere Leute kommen regelmäßig", sagt Reiff. "Das sind eben diejenigen, die noch in Altbauten ohne eigene Wanne wohnen." Direkt vor dem Volksbad ist eine Bushaltestelle, der Eingang ist ebenerdig und die angestellte Reinemachefrau hilft notfalls beim Be- und Entsteigen der vier Wannen. Kürzlich wurden zusätzlich Duschen montiert, die für zwei Mark zur Wochenendreinigung benutzt werden können. Das lässt vermuten, dass die Stadt auch künftig am Zuschussbad festhalten wird. Auf dass auch bedürftige Baden-Badener dem Namen ihrer Stadt freitags die Ehre erweisen können. © Südwest-Presse Oktober 2001 Der Gemeinderat hat in der Sitzung vom 14. Februar 2005 das Schließen des Volksbades in der Weststadt beschlossen. Grund: In den letzten Jahren wurde das Volksbad nur noch von sehr wenigen Gästen benutzt. Das Bad schließt zum 31. März 2005 endgültig seine Pforten. |
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