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Aus für das Bertholdbad Woran denkt fast jeder, wenn er den wohlklingenden Namen Baden-Baden hört? Genau - an Bäder natürlich. Um deren Existenz jedoch wird in der Bäderstadt mit ihrer 2000 Jahre alten Bäderkultur nun heftig gerangelt. Gründe? Die heute Verantwortlichen kokettieren und argumentieren gerne und häufig mit der maroden Haushaltslage, die Baden-Baden für 2003 eine Schuldenlast von 86,59 Millionen Euro beschert, gerade so, als wäre diese Rekordsumme "höherer Gewalt" anzulasten oder "fremdverschuldet". Mit der Realität an sich, so scheint es, möchten die Stadtlenker nun wirklich nichts am Hut haben. Man verdrängt und verschiebt sie einfach oder verreist nach Dubai. Nur wenn das Regierungspräsidium wieder einmal mahnend den Zeigefinger erhebt, dann bricht hektischer Aktionismus aus in unserem beschaulichen Städtchen. Als weitere Gründe für das "Baden-Baden Dilemma" kann der Beobachter bei einem großen Teil der Verantwortlichen routiniertes Desinteresse, Überforderung, Planlosigkeit und zuweilen gar Unfähigkeit feststellen. Feststellen kann man auch, dass keinerlei Versuche mehr unternommen werden, die anstehenden Probleme in den Griff zu bekommen. Doch warum sich noch anstrengen? In der Stadtverwaltung und im Gemeinderat gibt es eine große Anzahl von Amtsinhabern, die kurz vor ihrem wohlverdienten Ruhestand stehen. Getreu der Devise "nach mir die Thermalwasser-Flut" werden nun anscheinend vermehrt Entscheidungen getroffen, die für die Baden-Badener Bürger - und auch für Gäste - schwer oder gar nicht nachvollziebar sind. Als eines von vielen Beispielen sei die Schließung des traditionsreichen Bertholdbades genannt. Doch der Unmut unter der meist sehr pflegeleichten Bevölkerung nimmt zu. So kann man es schon als kleine Sensation bezeichenen, wenn sich 250 wackere Kurstädter aufraffen, ausgerüstet mit Schwimmbrillen und Taucherlatschen, um für ihr Bertholdbad zu demonstrieren. Doch was schert dieser Protest die Stadtoberen? So verkündet der Verwalter der städtischen "roten Zahlen", Stadtkämmerer Ekke-Heiko Steinberg, lapidar: Um die errechneten 90000 Euro Einsparungen anderweitig zu erzielen, müssten die Eintrittspreise im Bertholdbad um 60 Prozent oder in allen Bädern um 30 Prozent steigen. Also wird das Bad vorerst teilweise geschlossen. Überdies bescheinigt die Verwaltung dem 30 Jahre alten Hallen- und Freibad in der Innenstadt einen maroden Zustand. Geld für die Badsanierung sei nun nicht da, so dass die Schwimmhalle (innen) noch so lange betrieben wird, wie es die technischen Einrichtungen erlauben. Das stark frequentierte Freibad (außen) schließt bereits 2003. Da drängt sich doch dem unbefangenen Beobachter die Frage auf, wieso das Bad nun plötzlich marode ist. Hat man die letzten 30 Jahre einfach vergessen, das Bad zu warten und zu unterhalten? Künftig soll es also nur noch ein Freibad in der Kernstadt geben. Das Hardbergbad auf dem schwer ereichbaren Berg soll saniert und um ein Hallenbad ergänzt werden, verkündet die Verwaltung. Doch offizielle Verlautbarungen besagen in unserer heutigen Zeit recht wenig. Gründe für Kehrtwendungen hat man immer parat. Die Bürgerinitiative will jedoch weiter um das innerstädtische Bertholdbad kämpfen. Die da oben im Rathaus, so heißt es aus ihren Kreisen, "interessiere es gar nicht, was den Bürgern wichtig sei. Insbesondere für ältere Menschen oder Müttern mit Kleinkindern und Schulklassen sei das Bertholdbad die einzige Alternative in der Innenstadt". Baden-Badens OB Sigrun Lang hält trotz spürbarer Gegenströmung festen Kurs in der Bäder-Frage. "Wir können uns auf absehbare Zeit keine zwei Bäder leisten", so ihre feste Ansicht. Nach Lösungen scheint man nicht zu suchen. Die Gretchenfrage wäre eher zu stellen: "Kann sich ein Ort wie Baden-Baden weiterhin eine Stadtspitze und Teile des Gemeinderats leisten, die sich zuweilen wie eine Laientruppe gebärden und auch so handeln?" In der Wirtschaft wären solche Entscheider schon längst "weggelobt" worden mit der Begründung: "Sie haben unser Ziel nicht erreicht." (WP) Stimmen zum "Fall Bertholdbad": "Nicht allein der Körperteil Bertholdbad ist krank, nein der ganze Patient, die Stadt Baden-Baden liegt auf der Intensivstation." Michael Geggus, Stadtrat (SPD) "Kann der Verkauf der Eintrittskarten ehrenamtlich übernommen werden?" CDU Fraktion im Gemeinderat "Man muss wissen, was geht und was nicht." Junge Union Baden-Baden "Es werden 7 magere Jahre folgen..." "Es wird alle in dieser Stadt treffen, alle müssen den Gürtel enger schnallen." Michael Geggus, Stadtrat (SPD) "Aber wenn man ein paar Tausend Euro hier und ein paar Tausend Euro da einsparen kann, läppert sich das zusammen." Junge Union, Baden-Baden "Die Baden-Badener müssten den Ernst der finanziellen Misere begreifen." Kai Whittaker , JU Baden-Baden "Die Botschaft von der schwersten Krise seit Kriegsende ist noch nicht beim Bürger angekommen." Michael Geggus, Stadtrat (SPD) "Schon 1860 gab es eine Schwimmanstalt für jedermann, dort wo heute das Bertholdbad steht." Werbung der Stadt Baden-Baden (2003) Oskar Rösslers Worte heute. Auch er, der große Chemiker, der Mahner und bekennende Baden-Badener hatte zu seiner Zeit mit ähnlichen Problemen zu tun. Sein Appell aus dem Jahre 1936 an die Verantwortlichen damals ist so aktuell wie kaum zuvor. "Der Schaden, welcher unserer Bäderstadt durch diese unglaubliche Ungeschicklichkeit zugefügt wurde, ist unschätzbar und eines der traurigsten Ereignisse in unserer Bädergeschichte. Herr, vergib ihnen, denn sie wußten nicht, was sie taten!" Zurück zum Archiv |
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