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Baden-Baden
Kultur

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Neues Baden-Badener Stipendium

Brenner's Artists in Residence

Die
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und Brenner's Parkhotel & Spa vergeben 2004 erstmals das Stipendium "Brenner's Artists in Residence".

In einer zukunftsweisenden Kooperation verfolgen die Donatoren das Ziel, Baden-Badens kulturelle Reserven, von denen sie meinen, sie seien teilweise vornehm verborgen, anders und neu zu bündeln.

Erste Stipendiatin ist die international renommierte norwegische Fotografin Mette Tronvoll, deren Arbeiten im Jahr 2000 bereits in der Staatlichen Kunsthalle zu sehen waren. Von dort gingen sie auf Tournee in mehrere europäische Städte. Auch in den USA haben Ausstellungen ihrer Werke ein interessiertes Publikum gefunden. In zahlreichen bedeutenden Sammlungen sind Mette Tronvolls fotografische Meisterleistungen zu finden, unter anderem im New Yorker Metropolitan Museum of Modern Art.

Ein eigenes fotografisches Konzept wird Mette Tronvoll für Baden-Baden entwickeln, das die Besonderheiten der Kurstadt, seiner Landschaft und die Eigenarten seiner Bewohner und Gäste einfangen und widerspiegeln will.





Die norwegische Stipendiatin Mette Tronvoll stellt sich als Stipendiatin vor

Der Mensch und seine momentane Befindlichkeit

In den Sommermonaten 1998 und 1999 verschlug es die derzeit in Berlin lebende norwegische Künstlerin Mette Tronvoll nach Grönland. Auf der Insel Unartoq und im nahegelegenen Flecken Isortoq hat die heute 39-Jährige ein einfühlsames fotografisches Tagebuch aufgenommen: Bizarre nordische Landschaften, Gletscherkulissen, Grönländer, die einzeln und in Gruppen in dampfenden Badeseen inmitten einer fast paradiesischen Umgebung sitzen und in einen aufgeschlossenen Dialog mit der Fotografin treten. Mit ruhigem Blick schauen sie in die Kamera, während ihre Oberkörper büstengleich über der spiegelnden Wasseroberfläche zum Vorschein kommen. Frei von Naturmystik hat Tronvoll in klar gezeichneten Kompositionen ihre Eindrücke im Werkkomplex "Isortoq Unartoq" zusammengefasst. Diese Arbeiten waren 2000 zuerst in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden und dann in mehreren europäischen Städten zu sehen.

In einem Künstlergespräch mit Kunsthallendirektor Matthias Winzen hat die international erfolgreiche Fotografin am Mittwoch ihr Werk erläutert. Einen Monat lang weilte Tronvoll, die als Erste das seit diesem Jahr von der Kunsthalle und Brenner's Park-Hotel vergebene Stipendium "Brenner's Artists in Residence" erhalten hat, kostenlos in dem renommierten Hotel. Für die Kurstadt entwickelt sie derzeit ein fotografisches Konzept, das auf die Besonderheiten der Stadt und ihrer Menschen zugeschnitten ist. "Es gibt bereits einige Porträts, andere Arbeiten sind am Entstehen. Sie werden bald in einer Ausstellung in der Kunsthalle zu sehen sein", sagte Winzen. Anschließend präsentierte Tronvoll in einem Lichtbildvortrag ausgewählte Arbeiten aus den Jahren 1992 bis 2004, darunter auch ihre neueste Serie "Mongolia" - alles andere als ein Reisebericht üblicher Art.

Zunächst jedoch widmete sie sich ihrem ersten großen Porträt-Projekt "AGE Women 25 bis 90" (1993 bis 94), das aus zwei gleich großen Gruppen von Dreiviertel-Figuren besteht. Es sind ältere Frauen aus der norwegischen Heimat und junge Frauen aus New York.

"Das ist eine Art Tagebuch und handelt von Leuten, die mich interessieren. Ich kannte fast alle der älteren Damen von damals", erklärt Tronvoll. Das Projekt sei "aus der Neugier entstanden, "wie sie heute sind und wie ich mich im Vergleich dazu an sie erinnere". Die zweite Serie "Couples" zeigt Paare in Ganzfigur vor monochromgrauem Hintergrund, aufgenommen im Atelier. Den Abstand, in dem sich die lebensgroß abgelichteten Paare voneinander befinden, erklärt die Fotografin mit dem Hinweis, dass man trotz Beziehung auf sich allein gestellt sei und ein Individuum bleibe.

In ihrer Serie "Double Portraits" (1998) besteht jedes Werk aus zwei Einzelbildern, die ein und dieselbe Person als Dreiviertel-Figur vor hellem Grund zeigen. Sie wirken auf den ersten Blick fast identisch, obwohl sie zu verschiedenen Zeiten aufgenommen worden sind. "Ich habe festgestellt, dass in der Zeit zwischen den beiden Aufnahmen irgendetwas passiert ist". Der Mensch sei plötzlich ein ganz anderer; jeder Augenblick habe seine besondere Bedeutung.

Auch in ihren neueren Porträts (seit 2000) legt Tronvoll Wert auf eine klar definierte Situation, die die Aufmerksamkeit ganz auf die Abgebildeten lenkt. Deren Erscheinungsbild wird aber nicht bewertet, sondern sachlich festgehalten, wie die Fotografin betont. "Ich fotografiere nicht den Anblick, sondern die Situation und versuche, mich in den besonderen Charakter der Dargestellten einzufühlen. Mich interessieren aber keine privaten Dinge, sondern nur der Mensch und seine Befindlichkeit in einem bestimmten Moment", erklärt Tronvoll, die meist Personen ablichtet, die sie mag.

Das Stipendium "Brenner's Artists in Residence" wird einmal jährlich für die Dauer von einem Monat vergeben. Ziel sei es, Baden-Badens kulturelle Reserven anders und neu zu bündeln und international bekannten Künstlern eine Plattform zu bieten", machten Matthias Winzen und Frank Marrenbach, Direktor von Brenner's Park-Hotel, deutlich.

© Badisches Tagblatt, 7.5.2004


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